05. April 2018
Studienbericht zu Eheproblemen in Indien



Das von MWI mitfinanzierte Forschungsprojekt über Eheprobleme in indischen Familien wurde 2013 gestartet und sollte zum Verständnis der Dynamik in Beziehungen von frisch verheirateten städtischen Paaren in Indien beitragen. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, da man festgestellt hatte, dass viele katholische Paare gerade in den ersten Jahren nach der Hochzeit viele Probleme haben, obwohl Ehevorbereitungsseminare (Marriage Preparation Program) verstärkt angeboten wurden. Viele Beziehungen endeten in Trennung oder einer unglücklichen Ehe. Das Forschungsprojekt wollte sich mit den auftretenden Eheproblemen auf einer wissenschaftlich Ebene auseinandersetzen, um die Ehevorbereitungsseminare effektiver gestalten zu können. Das Missionswissenschaftliche Institut fand das Projekt sinnvoll und machte es finanziell möglich.

Es zeigte sich, dass viele Faktoren dazu führen, wie sich der/die Einzelne in einer Beziehung verhält. Faktoren sind etwa die jeweilige Sozialisierung, die Ursprungfamilie, deren Erziehungsstil, der jeweilige berufliche Hintergrund oder die Einstellungen gegenüber dem jeweils anderen Geschlecht.

Bei der Durchführung des Forschungsprojektes mussten zunächst Paare gefunden werden, die bereit waren, sich über ihre Beziehung zu äußern und die an Ehevorbereitungsseminaren teilgenommen hatten. Mit ihnen wurden zu Beginn Einzelinterviews durchgeführt, die im Durschnitt 70 Minuten dauerten. Allerdings war es gerade in Großstädten, wie Mumbai und Bangalore, schwierig, Freiwillige für die Studie zu finden, da Städter nicht gern mit „Fremden“ über eine so „private Sache“ sprechen.

Mittlerweile ist die Studie in weiten Teilen abgeschlossen. 200 Interviews wurden insgesamt durchgeführt. Es liegt also Datenmaterial vor, das nun in Ruhe ausgewertet werden muss, um entsprechende Konsequenzen für die kirchliche Ehevorbereitung ziehen zu können. Allerdings musste festgestellt werden, dass die Studie weitaus umfangreicher und intensiver ist, als ursprünglich gedacht. Da die Diözese Erzdiözese Bombay von der Wichtigkeit des Projektes überzeugt werden konnte, ist sie nun ein aktiver Partner geworden. Darüber hinaus werden die weiteren Forschungsarbeiten finanziell nun durch die Holy Cross Family Ministries (HCFM) der Kongregation vom Heiligen Kreuz unterstützt, so dass sie weiter durchgeführt werden kann.

 

Forschungsergebnisse:

Der Einfluss der Globalisierung macht sich auch bei den Eheschließungen bemerkbar: Von ehemals arrangierten gibt es heute einen großen Trend hin zu Liebesheiraten in der indischen Gesellschaft. Gerade in den Städten wählen die jungen Menschen sich ihren Partner selbst aus. Zudem leben sie lieber alleine als Paar anstatt in einer Großfamilie. Zudem äußern die ihre Liebe dem Partner gegenüber freier. Liebesheiraten haben aber ihren Nachteile- So berichten junge Paare oftmals über den Verlust ihrer Liebe bereits kurz nach der Hochzeit. Hierbei sind Karrieregedanken, der Wunsch nach finanzieller Stabilität und die persönliche Entwicklung wichtige Faktoren. Beispielsweise lässt die berufliche Karriere wenig Zeit oder Energie, die man aber dringend für ein gut funktionierendes Zusammenleben braucht. Meist haben gerade junge Paare zu Beginn ihres Ehelebens häufig Streitigkeiten, da sie dann noch am Beginn oder an kritischen Stellen in ihrer Karriere stehen. Auch die traditionelle Geschlechterverteilung mit der Ihr zugrundeliegenden patriarchalischen Einstellung führt oft zu Konflikten.

Offenheit und Ehrlichkeit, so zeigt die Studie, sind die beiden wichtigsten Faktoren für eine gelingende Ehebeziehung. Darüber hinaus hat der Zeitfaktor, d.h. Zeit mit sich selbst, dem Ehepartner, mit Freunden, und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten einen hohen Stellenwert für eine gelingende Beziehung.

Gerade für Frauen ist es schwierig den persönlichen gleichheitlichen Prinzipien und den traditionellen Erwartungen von außen gerecht zu werden, daher war das erste Jahr als Verheiratete für die meisten eine bitter-süße Erfahrung. Wie sie eventuell Wege finden, sich gegenseitig anzuerkennen und zu verwirklichen, und wie die Paare dann auch mit ihrem Nachwuchs umgehen, wird die Studie zu einem späteren Zeitpunkt aufdecken.

Die Ergebnisse der Studie sollen den Verantwortlichen der katholischen Kirche in Indien vorgelegt werden, um bestenfalls einige Statutenänderungen zu bewirken.




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Kardinal Kasper

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Kardinal Walter Kasper