22. September 2017
Rückkehr in die Heimat


Lesen Sie hier den Offenen Brief der Dominikanerinnen, den wir für Sie übersetzt haben:

Liebe Brüder, Schwestern und Freunde,

vor drei Jahren wurden wir vertrieben, und Ihr habt uns während dieser schrecklichen Zeit mit Euren Gebeten begleitet.

Während dieser Jahre haben wir viel geweint, gejammert, uns gewundert, Gott und unseren Glauben hinterfragt und wir haben auch gelacht und hatten hoffnungsvolle Momente, Momente der Liebe und der Dankbarkeit gegenüber unserem Herrn, der Kirche und alle den Menschen, die uns auf so viele verschiedene Arten unterstützt haben. Am 6. August betraten wir einen Tunnel und wussten nicht, wann wir ihn wieder verlassen würden. Tatsächlich dachten wir an manchen Tagen, dass wir das Licht nie mehr sehen würden. Vor drei Jahren verließen wir unsere Häuser bei Nacht und gingen ins Ungewisse. Wir gingen auf eine Reise der Vertreibung, des Exils und der Infragestellung. Aber um die Wahrheit zu sagen, trotz allem, haben wir immer davon geträumt, wieder zurückzukehren und unsere Häuser so wiederaufzufinden, wie wir sie verlassen haben. Wir haben uns von Herzen gewünscht, dass wir zurückgehen und unsere Kerzen zum Gebet entzünden, dass wir unsere Trauben ernten und unsere Bücher lesen. Das hofften wir, auch als wir erfuhren, dass unsere Nachbarn uns verraten und uns Schaden zugefügt haben, noch bevor es ISIS tat.

Das war der Fall bis Herbst 2016, als Irakische Truppen militärische Operationen starteten um die Nineve-Ebene zu befreien. Gott hat uns mit seiner Gnade überschüttet als eine Stadt nach der anderen befreit wurde. ISIS wurde besiegt und es hieß, die Nineve-Ebene sei befreit worden.

Als wir unsere christlichen Städte anschauten, waren wir sprachlos und geschockt über die Schäden, die wir sahen. Es war schrecklich schmerzhaft, diese überwältigende Zerstörung zu sehen. Sofort haben wir realisiert, dass nicht die militärischen Kräfte oder moderne Waffen diese Zerstörung angerichtet haben, sondern Hass. Ein Hass, der sowohl die Unterdrückten als auch die Unterdrücker atemlos macht. Gott allein weiß, wieviel Liebe wir brauchen, um diese tiefen Wunden zu heilen.

Als wir durch unsere christlichen Gemeinden spazierten, wunderten wir uns, da wir uns an das Wort Gottes an den Propheten Hesekiel erinnern, „Du Menschenkind, meinst du auch, dass diese Gebeine wieder lebendig werden?” und wir antworteten „Herr und Gott, das weißt du wohl.” (Hesekiel 37:3).

Inspiriert durch Geschichten und Erfahrungen von biblischen Geschöpfen, glauben wir daran, dass es Gott schaffen wird, uns auf eine neue Art und Weise zu erheben. Heute sehen wir schon das herrliche Werk Gottes.

Es gibt einige Hoffnungszeichen. Auch wenn der Prozess des Wiederaufbaus langsam voranschreitet, so hat er begonnen, und ein paar Familien sind in ihre Häuser zurückgekehrt. In Batnaia, eine Stadt, die zu 90% zerstört war, haben die Aufräumaktionen begonnen. Nach Telskuf und Karakosch, ebenfalls christliche Gemeinden, sind ebenfalls bereits einige Familien zurückgekehrt und weitere folgen jede Woche. In Telskuf sind es heute über 600 Familien und 450 in Karakosch. Telskuf war sehr viel weniger zerstört als Karakosch. Auch wenn die Zerstörung in Karakosch auf 30% geschätzt wird, ist der Wiederaufbau nicht einfach, und die NGOs, die angeboten haben zu helfen, sind zu wenige angesichts der Zerstörung. Es gibt 7000 Häuser in Karakosch. 2400 von ihnen sind vollständig verbrannt, weitere 4400 sind zum Teil verbrannt und zerstört, und 116 Häuser sind komplett zerstört. Wir haben die Hoffnung, so viele wie möglich noch vor Schulbeginn im September zu reparieren, aber natürlich haben wir das Problem der Finanzierung. Bislang kümmern sich nur die Kirche und einige NGOs um den Wiederaufbau. Unsere Schwestern sind nach Telskuf zurückgekehrt, und wir hoffen, bis Anfang des Jahres einen geeigneten Ort zu finden, um dort einen Kindergarten zu eröffnen.

Bald werden wir auch nach Karakosch zurückkehren. Da unser Kloster teilweise zerstört ist, haben wir ein Einfamilienhaus repariert, wo wir wohnen werden, bis wir in unser Kloster zurückkehren können. Auch das Waisenhaus ist vollständig abgebrannt, aber wir haben bereits ein Haus in Karakosch gefunden, in das die Schwestern und die Mädchen einziehen konnten.

Wie Sie es wahrscheinlich vernommen haben, wurde Mosul befreit, jedoch ist die Zerstörung in allen Bereichen überwältigend. Es wird Jahre dauern bis alles wieder in Ordnung ist, aber mit Gottes Hilfe ist nichts unmöglich. Natürlich ist es keine leichte Entscheidung, ob wir nach Mosul zurückgehen oder nicht. Manche Menschen versuchen noch zu verstehen, was Gottes Wille ist – wenn ISIS auch besiegt wurde, so heißt das nicht, dass die Gegend vollständig von dieser Mentalität gereinigt ist. Dennoch haben wir als Gemeinschaft beschlossen, mit allen unseren Leuten zurückzukehren, und wir hoffen und beten, dass alle Menschen den Mut haben werden, in ihre Heimat zurückzugehen, um noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Gott ist mit uns und wird uns nicht verlassen. Wir danken Euch für all Eure Unterstützung. Bitte betet für uns für diese neue Phase unseres Lebens.

Wir danken Euch und wir beten für Euch.

Die Dominikanischen Schwestern von St Katharina von Siena, Erbil/Irak

6. August, 2017 - Fest der Verwandlung


Weitergeben, was man selbst geerbt hat

„Von dem Verkauf des geerbten Hauses haben wir ein eigenes gebaut. Wir haben selbst keine Kinder und uns entschieden, dieses Haus dem MWI zu vererben. Uns ist es wichtig, dass wir so spirituell in gut ausgebildeten Theologen gleichsam weiterleben."

Tilde und Rolf Glaser

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