14. April 2022
Friedliche Wahlen in Kenia –Utopie oder Aufbruch in bessere Zeiten?


„Alle in Kenia wissen, wie entscheidend friedliche Wahlen sind – diese Lektion haben wir nach den letzten Wahlen Ende 2017 gelernt – und niemand wünscht sich, dass sich solche Tragödien und der Terror von damals wiederholen“, so beschreibt Cyprien Ntambara, Flüchtling aus dem Osten Kongos, der seit vielen Jahren in Kenia lebt, die Situation in Kenia fünf Monate vor den anstehenden Wahlen. Die große Frage ist, ob es in einem friedlichen Machtwechsel gelingt, die Privilegien der alten Eliten und die Korruption abzubauen und die wirklichen Herausforderungen anzugehen: den Kampf gegen die Armut und gegen die Umweltzerstörung.

Schwester Joy Barasa von den „Little Sisters of St. Francis“ schreibt, dass das Thema der diesjährigen, von der katholischen Kirche in Kenia ausgerufenen Fastenaktion „Einheit in Vielfalt: Auf dem Weg zu einer guten Nachbarschaft“ den wichtigen Beitrag der katholischen Kirche für die kenianische Gesellschaft auf den Punkt bringt: betonen, was die Menschen in Kenia zusammenhält, Einheit und Frieden stärken.

Joy Barasa und Cyprien Ntambara sind zwei junge Menschen, die das MWI durch ein Promotionsstipendium an der Katholischen Universität im Östlichen Afrika CUEA in Nairobi auf ihrem Weg unterstützen wird, damit sie sich in ihrem jeweiligen Umfeld für eine bessere und gerechtere Gesellschaft einsetzen.

Die Lage ist angespannt: Der amtierende Präsident Uhuru Kenyatta, der nicht noch einmal antreten darf, hat sich mit seinem Vize und möglichen Nachfolger Willian Ruto tief zerstritten und scheint alles daran zu setzen, dessen Wahlsieg zu verhindern. Um sich und seiner Partei Positionen und Privilegien zu erhalten, verbündet er sich mit seinem früheren Erzrivalen Raila Odinga – beide führen einen emotionalen, durch Betonung der ethnischen Zugehörigkeit aufgeladenen Wahlkampf. Dabei werden auch die Kirchen benutzt. Viele kleine afrikanischen Splitterkirchen versuchen sich politisch vorteilhaft zu positionieren – eine „politischen Invasion der Gotteshäuser“. Die katholische Kirche hat Wahlkampfreden auf der Kanzel verboten und bemüht sich um eine Versachlichung des Wahlkampfs.

Unsere beiden Doktoranden wollen sich in verschiedenen Bereichen spezialisieren, um später ihren Beitrag für eine Kirche an der Seite der Armen und Entrechteten zu leisten. Cyprien Ntambara wird als Laie im Fach Liturgiewissenschaften promovieren und beschäftigt sich in seiner Dissertation mit der zentralen Bedeutung des Wortes Gottes – von den Wurzeln in der jüdischen Liturgie bis zu heutigen Wort-Gottes-Feiern in Kleinen Christlichen Gemeinschaften, die im Alltag der katholischen Kirche Kenias eine wichtige Rolle spielen. Später möchte er in Lehre und Forschung die aktive Teilnahme der Gläubigen in der Liturgie für die Solidarität unter Christinnen und Christen fruchtbar machen. Sister Joy möchte im Fach Philosophie Fragen der Umweltethik vertiefen, die sie für die große Herausforderung der Jugend in Kenia hält – Nairobi ist weltweit die Stadt mit der „jüngsten“ Bevölkerung. Später wird sie in der Ausbildung der jungen Schwestern und der von ihrem Orden betreuten Jugendlichen, vor allem Mädchen, tätig werden. Sie stammt selbst aus einer armen Familie in Bungoma und ist in den Orden der Franziskanerinnen eingetreten, um sich in den Dienst an den Armen, Bedürftigen, Notleidenden in der Gesellschaft zu stellen und besonders um den benachteiligten Jugendlichen mit „einem Leben wie ich es in meiner Jugend erlebt habe“, eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Sie brauchen, schreibt sie, jemanden, der ihnen „innovatives und transformatives Wissen vermittelt und nicht nur ihren Kopf, sondern auch ihr Herz formt und mit dem Mut zu Veränderung Perspektiven eröffnet“.

Wenn in Kenia die Wahlen am 9. August 2022 friedlich verlaufen und ein neuer Präsident und ein neues Parlament ihren Dienst antreten, beginnt, so die große Hoffnung, eine neue Phase der jungen Demokratie, in der Cyprien Ntambara und Joy Barasa ihren Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft leisten werden.

27.03.2022
Moe


50 Jahre MWI

Seit 50 Jahren begleitet das MWI mit seinen Partnern und Unterstützern die jungen Kirchen in Afrika und Asien auf ihren Weg in die Zukunft. Wir unterstützen sie in der Ausbildung ihrer Führungskräfte und teilen mit ihnen Visionen einer gemeinsamen Zukunft.

Prof. Dr. Harald Suermann, Direktor des MWI
Ihre Glückwünsche