24. März 2015
Die katholische Universität von Madagaskar


Stau in den Straßen von Antananarivo

Haupteingang der Universität

Steckbrief Madagaskar

Ansicht des Universitätsgebäudes

Priester M. Ravelonantoandro, Rektor der Universität

An dem Stau in den engen steilen Straßen von Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, führt kein Weg vorbei, will man zur oben auf einem der Hügel gelegenen katholischen Universität von Madagaskar gelangen: eine letzte scharfe Kurve, eine abenteuerliche Steigung und man steht vor dem alten Gebäude aus der Kolonialzeit: ein großes Geviert, um eine Art Kreuzgang gebaut, mit vier Meter hohen Geschossen, Holzdielen bilden den Boden auf den Etagen – das ganze atmet die Großzügigkeit und den Charme einer vergangenen Epoche.

Aber in dem Gebäude lebt und arbeitet eine der am besten funktionierenden Universitäten des Landes, an 1110 Studierende in den Fächern Theologie, Philosophie, Psychologie, Recht und Politik, Wirtschaft und Gesellschaftswissenschaften. Das sind wenige, und die Fächerpalette deckt auch nicht alles ab, was wir von einer Universität erwarten würden. Aber Madagaskar, gehört zu den ärmsten Länder der Erde – es steht in der Liste des Human Development Index auf Rang 151. Dort ist diese kleine Universität von großer Bedeutung. Mehr als 30 % der Bevölkerung sind Analphabeten, nur eine Viertel hat eine weiterführende Schule besucht. Umso wichtiger ist die Ausbildung von Multiplikatoren, der sich die katholische Kirche (gut 20 % der Bevölkerung sind katholisch) besonders verpflichtet weiß. Es geht darum, der jungen Generation Perspektiven zu eröffnen.

Die Universität wurde zunächst als "Institut Catholique" mit den Fächern Philosophie und Theologie von der aus 22 Diözesen bestehenden Bischofskonferenz Madagaskars gegründet. Nach stetigen Wachstum und Einrichtung weiterer Fakultäten – besonders begehrt sind die Studienplätze in Recht und Politik sowie in den Wirtschaftswissenschaften, wurde sie 2012 zur Universität erhoben.

Seit Oktober 2014 ist der Priester Marc Ravelonantoandro, der sowohl in Philosophie als auch in Theologie promoviert hat, neuer Rektor der Hochschule. Er weiß sich der Tradition des Gebäudes, das vorher das nationale Priesterseminar war, verpflichtet, betont aber zugleich die dringend anstehende Notwendigkeit zur Modernisierung. "Wir haben eine mit einem sehr guten Grundstock ausgestattete Bibliothek mit vielen historisch wertvollen Werken, aber wir müssen sie dringend digitalisieren und den Studentinnen und Studenten Arbeitsplätze online zur Verfügung stellen."

Leider hat die Universität wenig Platz für Erweiterungen, da die noch freie Hälfte des Hügels jetzt fast vollständig mit Neubauten der madagassischen Bischofskonferenz aufgefüllt wird. Aber das sehr engagierte Team um Pater Ravelonantoandro lässt sich nicht entmutigen. So wollen sie zum Beispiel die Psychologie – in einer von tiefen politischen Krisen durchzogenen Gesellschaft – ausbauen. Und in der Theologie geht es um die Anforderungen und Fragen der modernen Globalisierung angesichts einer – noch – sehr lebendigen madagassischen traditionellen Kultur und den Anforderungen moderner Globalisierung. Die Frage der Inkulturation der christlichen Botschaft ist aktueller denn je.

Marco Moerschbacher


Weitergeben, was man selbst geerbt hat

Kardinal Kasper

„Von dem Verkauf des geerbten Hauses haben wir ein eigenes gebaut. Wir haben selbst keine Kinder und uns entschieden, dieses Haus dem MWI zu vererben. Uns ist es wichtig, dass wir so spirituell in gut ausgebildeten Theologen gleichsam weiterleben."

Tilde und Rolf Glaser

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