11. November 2015
Bürgerkrieg in Sri Lanka - Informationen und Hintergründe


Flüchtlingsfamilie bei Kilinochchi

Kilinochchi District: Spuren der Gefechte

Erinnerungen an den Bürgerkrieg

Sonntagsgottesdienst in Anuradhapura

Man erzählt sich in Sri Lanka eine Geschichte:

„Als Gott das Land an die Menschen verteilte, da gab er den einen China zur Wohnstatt, den anderen Indien, wieder anderen gab er Japan usw. Nachdem alles Land unter den Anwesen-den aufgeteilt war, kam plötzlich ein weiterer Mensch. ‚Gib auch mir ein Stück Land‘, sprach er zu Gott. Aber Gott antwortete, dass alles Land bereits vergeben sei. Da wurde der Mensch traurig und jammerte: ‚Aber ich brauche doch auch einen Ort zum Leben!‘ ‚Nun gut‘, sprach Gott, ‚dann wohnst du eben bei mir.‘ Und der Mensch ging mit Gott und wohnte bei ihm, in dem wunderbaren Land, das Sri Lanka heißt, das strahlend-schöne, das königlich-leuchtende Eiland‘.

Sri Lanka, das Land Gottes, war in den letzten Jahrzehnten aber alles andere als ein Paradies. Hier tobte ein 29 Jahre andauernder Bürgerkrieg, dessen Folgen auch heute noch überall spürbar sind, obgleich der bewaffnete Konflikt im Mai 2009 von der Singhalesischen Armee beendet wurde, die dabei mit aller Härte gegen die „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (LTTE) vorging. Allein in den letzten Monaten der Auseinandersetzung sind nach Schätzungen der UNO 40.000 Zivilisten umgekommen. Während des Konflikts kam es immer wieder zu schweren Menschenrechtsverletzungen durch beide Seiten, zu Folter, Zwangsrekrutierung von Kindern, systematischer sexueller Gewalt usw. Viele Menschen, darunter auch Kinder verschwanden spurlos.

Obgleich sich die militärischen Auseinandersetzungen auf den Nordosten Sri Lankas beschränkten, war und ist das ganze Land vom Bürgerkrieg gezeichnet. Die Wirtschaft ist zerrüttet, etwa 36% der Staatseinnahmen flossen ins Verteidigungsbudget. Das sind Gelder, die nicht für die Entwicklung des Landes, für Ausbildung und die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgegeben wurden. Das „einstige Musterland Asiens [wurde] zum Armenhaus gemacht, indem nur die DrahtzieherInnen der Kriegspolitik reich [wurden]. 800.000 Menschen wurden zu Flüchtlingen im eigenen Land und mehr als 500.000 suchten im Ausland Schutz.“ Lediglich auf einige Ereignisse kann hier hingewiesen werden, die mit zu den kriegerischen Auseinandersetzungen geführt haben:

 

Diskriminierung der tamilischen Bevölkerung

Der ethnische Konflikt kündigte sich bereits vor der Unabhängigkeit Sri Lankas an. Das singhalesisch buddhistische Selbstbewusstsein, das unter langer Fremdherrschaft gelitten hatte, erstarkte aufs Neue. Die alten vorkolonialen Herrschaftsstrukturen waren zerstört. Es war zu einer Verwaltungseinheit geworden, was sich doch nicht als eine Nation verstand. Die zahlenmäßige Minorität der Jaffna-Tamilen genoss unter der britischen Kolonialmacht zahlreiche Privilegien, nahm Spitzenfunktionen in der Verwaltung ein. Zudem hatte sich eine städtische Elite herausgebildet, die als Umgangssprache die Sprache der Kolonialmacht England angenommen hatte. Demgegenüber stand eine sich erneuernde buddhistische Tradition und damit einhergehend ein erwachender singhalesischer Nationalismus, der mehr und mehr chauvinistische Züge annahm. Dieser buddhistische Nationalismus verstärkte sich nach der Unabhängigkeit und ging einher mit einem Privilegienverlust der tamilischen Bevölkerung, der in eine zunehmende Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppe mündete. Als Kristallisationspunkte dieser Diskriminierung sind folgende Ereignisse zu nennen:

  • 1948 erlässt die Regierung unter Premierminister Senanayake das „Ceylon Citizenship Act No. 18“. Durch das Gesetz wird den rund 705 000 in den Teeplantagen arbeitenden Indien-Tamilen die Staatsbürgerschaft aberkannt. Sie werden staatenlos. Tausende von ihnen werden nach Indien ausgebürgert.
  • 1956 wird der „Sinhala only“-Gesetzesentwurf angenommen und Singhalesisch damit zur einzigen Nationalsprache Sri Lankas.
  • 1958 kommt es zu Ausschreitungen gegen Tamilen.
  • 1961 werden Gebiete der Tamilen zwei Jahre lang vom Militär besetzt.
  • 1973 wird der Zugang für tamilische Studenten zur Universität erschwert. 
  • 1977 kommt es wiederum zu Ausschreitungen gegen Tamilen.
  • 1979 wird die stärkste tamilische Guerilla-Organisation, die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam), als terroristische Vereinigung geächtet und verboten.
  • 1981 wird in Jaffna die öffentliche Bibliothek mit wertvollen Handschriften niedergebrannt und damit ein für die Tamilen unwiederbringliches und unvergleichliches Kulturerbe zerstört.
  • 1983 tötet die LTTE 13 Soldaten.

 

Die Antwort der Tamilen auf die zunehmende Diskriminierung

Nach dem Attentat auf 13 Regierungssoldaten durch die LTTE kam es zu einem Tamilenpogrom im Juli/August. Seither eskalierte die Gewalt. Tamilische Parteien hatten über 20 Jahre lang erfolglos parlamentarischen Widerstand geleistet. Passiver Widerstand in Form von Demonstrationen etc. konnte wenig bewirken. Nun setzten sich radikale, separatistische Gruppen auch vermehrt mit Waffengewalt zur Wehr. Die bekannteste und stärkste Gruppierung, die von einigen Staaten als terroristische Vereinigung verboten wurde, war die LTTE. Sie kämpfte für einen unabhängigen Tamilenstaat im Nordosten Sri Lankas und trug die kriegerischen Auseinandersetzungen durch Anschläge und Selbstmordattentate auch in den Süden des Landes. Einer ersten Bürgerkriegsphase von 1983 bis 1987 folgte 1990 bis 1996 die als „Zweiter Eelamkrieg“ bezeichnete zweite. In dieser zweiten Phase versuchte die LTTE mit „Hilfe von Selbstmord-Kommandos [...], sowohl die militärische wie die politische Führung des singhalesischen Staates zu schwächen oder einzuschüchtern. Mit Hilfe von Massakern an singhalesi-schen und muslimischen Zivilisten versuchte sie systematisch ihren Einflussbereich und die Grenzzone eines zukünftigen Eelam ‚ethnisch zu säubern’.“

 

Textausschnitte aus: Annette Meuthrath: Zur Lage der Menschenrechte in Sri Lanka. Einsatz der Kirche für Frieden und Menschenwürde.


Die Freude teilen

Pfr. Günter Ludwig

„Mein Goldenes Priesterjubiläum feierte ich mit einer dreitägigen Fußwallfahrt mit meiner früheren Gemeinde und einem Hochamt. Dabei blickte ich dankbar auf meinen Weg zurück und betete für die MWI-Stipendiaten und ihren Weg mit ihren Gemeinden. Zugunsten einer Spende für die Stipendiaten verzichtete ich auf Geschenke und möchte so die geistige und materielle Solidarität mit der jungen Kirche im Süden zum Ausdruck bringen."

Pfarrer Günther Ludwig