10. April 2013
Soeur Helen Dantis donne son point de vue sur la situation des femmes en Inde


Actuellement, le texte de Sœur Helen Dantis existe seulement en Allemand et en Anglais. Pour la version anglaise, veuillez suivre ce lien:

http://www.mwi-aachen.org/en/activities/news/mwi-news/article/sister-helen-dantis-gibt-ihre-einschaetzung-ueber-die-lage-der-frauen-in-indien/

Die Situation der Frauen in Indien: Überblick und Einschätzung

Frauen in Indien sind häufig Opfer von Gräueltaten! Aus Angst vor dem Verlust des sozialen Status bleiben der wohl bekannte und der tief sitzende Schmerz schwerer Körperverletzungen häufig ungenannt. Eine 23 Jahre alte paramedizinische Studentin, die in Indiens Hauptstadt ein Opfer von sexueller Gewalt geworden ist, hat durch ihren Kampf ums Leben und insbesondere durch ihren Tod dazu geführt, dass die Nation ein Ende der Gewalt gegen ihre Bürgerinnen fordert und ihnen Würde, Sicherheit und Ehre garantieren will. Werden Frauen in Indien ihre Würde wiedererhalten? Die aktuelle Überlegung zur Rückgewinnung der Würde von Frauen ist ein Bestreben, in dieser Sackgasse weiter zu kämpfen. Kurz gesagt, es gibt eine große Differenz zwischen den Rechten und der tatsächliche, aktullen Situation, die Frauen in Indien zugestanden werden. Entscheidend ist eine Änderung der Einstellung gegenüber Frauen vorgeschlagen, die als Menschen zu respektieren sind.

"Frauen in Indien sind gleich", sagt die indische Verfassung: Sie garantiert allen Frauen Gleichheit, verbietet Diskriminierung durch den Staat, garantiert Chancengleichheit und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Sie enthält auch spezielle Erlasse für Frauen und Kinder – sie entsagt abfälligen Praktiken gegen die Würde von Frauen und bietet gerechte und humane Bedingungen, z. B. Leistungen bei Mutterschaft. Wo die Würde der Frauen verletzt wird, erzwingt der indische Staat Frauen-spezifische Gesetze, wie der Immoral Traffic (Prevention) Act, the Indecent Representation of Women (Prohibition) Act, the Commission of Sati (Prevention) Act, and the Domestic Violence Act. Außerdem befasst sich das indische Strafgesetzbuch (Indian Penal Code [IPC]) speziell mit Straftaten wie Vergewaltigung, Entführung und Verschleppung, Mitgiftmorden, Folter und sexuelle Belästigung; nach dem IPC, begeht ein Mann eine Vergewaltigung, wenn die Frau jünger als 16 Jahre ist, mit oder ohne ihre Zustimmung. Die Indian Evidence (Amendment) Act [IEA] von 1983 sieht vor, dass, wenn ein Opfer von Freiheitsberaubung und Vergewaltigung vor Gericht steht, und es nicht diesen Taten zugestimmt hat, so hat das Gericht davon auszugehen, dass es nicht zugestimmt hat. Laut IEA 2002 ist es nicht zulässig, die Ankläger bezüglich des allgemeinen moralischen Charakters zu hinterfragen. Die Strafprozessordnung Code of Criminal Procedure (Amendment) Act von 2005 sieht für die Untersuchung von Freiheitsentzug und Vergewaltigung Richter vor. Diese Gesetze wurden im Strafrechtsänderungsgesetz Criminal Law Amendment Bill von 2010 eingebracht, um Vergewaltigung im Sinne von sexuellen Übergriffen zu verstehen. Erst im Jahr 2012, hat das Parlament einen Gesetzesentwurf gegen die Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz (Prävention, Verbot und Wiedergutmachung) vorgelegt.

Eine Bewertung dieser außergewöhnlichen Frauen-spezifischen Gesetzesentwürfen und Handlungen bringt uns dazu, den Status der indischen Frauen mit Passagieren in einem "entführten Flugzeug" zu vergleichen: Sie werden durch Privilegien unglaublich begünstigt, sind jedoch weit davon entfernt, diese zu erhalten. Schädliche Haltungen, die in der indischen Gesellschaft weit verbreitet sind, bestätigen diese Einschätzung. Heirat wird als „ultimativ“ im Leben einer Frau betrachtet, jedoch macht die Notwendigkeit, eine Mitgift zu zahlen, die Tochter zur Last, was zur geschlechter-selektierten Abtreibung und zur Tötung weiblicher Föten führt. Der Hindu Marriage Act schreibt das Heiratsalter für Mädchen mit 18 Jahren vor, aber es sagt nicht, dass die Ehe von einem Mädchen unter 18 Jahren "nichtig oder anfechtbar" ist. Eine Frau hat kein Recht, ihren Lebenspartner zu wählen. Wenn sie es tut, wird sie ermordet und dieser schreckliche Akt heißt 'Ehrenmord'. Alleinstehende und geschiedene Frauen werden als "verfügbar" [für sexuelle Übergriffe] betrachtet. Häusliche Gewalt wird von den meisten Frauen demütig akzeptiert, denn sie haben keine Alternative. Laut UNICEF-Bericht von 2012, halten 57 % der indischen Jungen und 53 % der indischen Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren das Schlagen der Frauen für gerechtfertigt!

Schändliche Einstellungen sind im Rahmen der oben genannten Vergewaltigung und ihrer Folgen massiv in den Fokus geraten. Khap Panchayats (alles männliche informelle Gemeinderäte) haben diktiert, dass ein Opfer von Vergewaltigung "den Vergewaltiger demütigt, in dem sie ihn heiratet“, sie verbieten Frauen unter 40 Jahren die Nutzung von Handys und von ‚Shopping‘, sie empfehlen, das Heiratsalter der Mädchen auf 16 Jahre zu reduzieren. Diese Richtlinien entstammen nicht aus Sorge um die Sicherheit von Frauen, vielmehr handelt es sich um Ausreden, um patriarchale Strukturen durchzusetzen. Unverantwortliche Haltungen und Aussagen wurden von den Politikern des Landes auch gehört: sie schlagen vor, Mädchen das Röcke tragen zu verbieten, sie sagen, dass Vergewaltigung ein urbanes Phänomen sei (Dies entspricht der Billigung von Vergewaltigungen an armen ländlichen und Adivasi Frauen).

Die Vergewaltigung in Delhi hat vor allem die Bürger der städtischen indischen Mittelschicht in ihrer Machtbasis erschüttert. Ihr gewalttätiger Protest verpflichtete das Land, unverzüglich zu handeln, der Staat bildete einen Ausschuss, den Justice Verma Panel, der sich mit diesem Problem beschäftigt. Er hörte den Schmerz, das Gefühl und die Wut der Jugend. Der Ausschuss ‚verprügelte‘ Polizei und Politiker und forderte, "die Art und Weise, in der Frauen im Land behandelt werden" zu ändern. Die gesetzlichen Reformen sollten härtere Strafen in neu definierten Straftaten wie Stalking, Voyeurismus, Säureattentate und Menschenhandel vorschlagen. Sich der populären Meinung beugend, führte der Staat die Todesstrafe für Vergewaltigungsfälle ein, in denen die Frau stirbt oder in einem vegetativen Zustand zurückbleibt. Während dieser Gesetzentwurf begrüßt wird, stellt die Washington Post fest, dass ‘Indien gezeigt hat, dass das politische System auf eilige, populäre Fragen zur Änderung reagieren kann‘. Maßnahmen zur Bestrafung von Vergewaltigung in der Ehe und sexuelle Verbrechen von Militärpersonal müssen vom indischen Parlament umgehend aufgegriffen werden.

Gesetze und Gesetzesänderungen, Gesetzesentwürfe, Rechtsakte, etc. gibt es in Hülle und Fülle ... Die nutzlosen Gesetze zur Sicherheit von indischen Frauen haben nicht als Abschreckung gedient, Sicherheit bleibt ein ferner Traum für indische Frauen. Die entsetzliche [sexuelle] Gewalt gegen Frauen und Mädchen in einem Land, das sie als Mutter und Göttin verehrt, ist inakzeptabel. Eine Gesellschaft, die es nicht schafft, ihre Frauen und Kinder zu respektieren, zu schützen und zu nähren, verliert ihr moralisches Gefüge und ihren sozialen Zusammenhalt. Für die Abschreckung sind rechtliche Schritte in Situationen, wo Frauen Gewalt erleiden, von entscheidender Bedeutung. Dies beinhaltet der dreistufige Ansatz. Zunächst ist es wichtig, über Vergewaltigung und Körperverletzung zu berichten. Zweitens ist es absolut wichtig, dass Gesetzeshüter geschult werden, um schnell und mit Sensibilität für Frauen und Kinder, die schikaniert, angegriffen oder vergewaltigt werden, zu reagieren. Drittens, müssen die Strafen exemplarisch sein und in den Medien weit verbreitet werden.

Die Regierung kann das Problem allein nicht lösen, ein nationales Erwachen, das das ganze Land und die Zivilgesellschaft miteinbezieht, ist jetzt notwendig. Mit anderen Worten, Maßnahmen von Gerichten und der Polizei werden nicht genügen, wenn die Gemeinschaft gegen diese Änderungen ist; es geht vor allem um die Einstellungen. Die Änderung der Erziehung muss zu Hause beginnen: dass Jungen den Mädchen als überlegen erzogen werden, muss bewußt gemacht und zugegeben werden, um die Gleichheit der Menschen akzeptieren und respektieren zu können. Angesichts der Auswirkungen der Medien heute in allen Bereichen des Lebens, bedürfen unsere Jugendliche und Kinder einem Schutz, um nicht leichte Beute zu werden: Sie müssen angehalten werden, kritisch und verantwortlich mit ihren Konsumgewohnheiten umzugehen. Eine Änderung der Einstellung, nicht vor allem eine Änderung der Berufung oder des Aussehens, ist eine Voraussetzung für Mädchen und auch für Frauen. Diese Aufgabe fordert die Stärkung von Frauen. Ein wesentliches Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Ausbildung von Frauen zu Rechtsanwaltsfachangestellten in der Region von Kutch seit 1989. Die Initiative von einer Organisation namens Kutch Mahila Vikas Sangathan (KMVS) berechtigt Frauen, ein Zertifikat vom Indian Institute of Paralegal Studies zu erhalten. Das Zertifikat ermöglicht es ihnen, eine Polizeistation im Fall von Gräueltaten gegen Frauen aufzusuchen und diese registrieren zu lassen, was sonst mühsam war. Dies enthält eine wichtige Lektion: "Bilde Frauen aus, wie sie Gesetze benutzen können, und das Gesetz kann sie schützen; lass‘ sie ignorant, und man könnte genauso gut kein Gesetz haben." (The Hindu, 16. September 2012).

 Abschließend möchte ich bekräftigen, dass der eigentliche Fokus auf einer Änderung der Mentalität der Menschen liegen sollte, die Frauen als "Hüterinnen der Ehre" sehen. So bleibt die Aufgabe: Wie kann die gesamte Bevölkerung aufgerufen werden, eine Änderung der Mentalität zu initiieren? Wie kann ein nationales Gespräch zu diesem Thema in nationale Maßnahmen umgesetzt werden?


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Depuis 50 ans le MWI soutien, ensemble avec ses partenaires et partisans, les jeunes Églises en Afrique et en Asie sur leur chemin vers l’avenir. Nous les soutenons dans l’éducation de leurs dirigeants et nous partageons une vision d’un avenir commun.

 

Prof. Dr. Harald Suermann, Directeur du MWI
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