18. Oktober 2017
Fr. Raphael Toppo berichtet über sein Studium, seine Forschungsarbeit sowie seine zukünftigen Vorhaben


Fr. Raphael Toppo

Verbreitungsgebiet der Kurukh Sprache

Kudukh Sprache und Tolong Siki Schrift

„Nach meinem Masterstudium in Anthropologie begann ich 2006 unter den Stammesvölkern in Jharkhand zu arbeiten. Während dieser Zeit interessierten mich vor allem die Sprache und die Kultur, insbesondere die Kudukh Sprache und ihre Schrift. Ich selbst bin hier geboren und gehöre dem Stamm der Oranon an, einer der Hauptethnien in Chotanagpur.


Ab 2011 wollte ich intensiv über die Stammesvölker in meiner Region forschen und mich deswegen auch in ‘Anthropologie’ spezialisieren. Deshalb erlaubte mir mein Orden an die Universität in Shillong, im Bundesstaat Meghalaya, zu gehen. Dank der finanziellen Unterstützung des MWIs beendete ich mein Studium am 27. Oktober 2016.


Meine Studien haben meinen Wunsch noch verstärkt, die Stammessprachen und -kulturen meiner Heimat zu erforschen und ihren Erhalt zu fördern. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Sprachen und das Erbe unserer Vorfahren erhalten müssen, wenn diese Stammesgemeinschaften und ihre Identität erhalten bleiben sollen. Deswegen erforsche ich die Kudukh Stammessprache und ihre Schrift, das Tolong Siki. Währenddessen lehre ich ebenfalls Anthropologie im Philosophat am Regional Seminary in Ranchi.


"Mein Hauptplan für die Zukunft ist es, die Kudukh Sprache und ihre Schrift, das Tolong Siki, zu fördern, um die ethnische Identität durch die Veröffentlichung von Zeitungen, Textbüchern, Flugblättern, Zeitschriften, Kalendern, Abschrift von Büchern usw. zu erhalten. Um diese Ziele zu verwirklichen, brauchen wir die Unterstützung vieler Menschen und auch die der Regierung. Deshalb ist es wichtig, ein Bewusstsein für den Sprach- und Kulturerhalt zu schaffen und konkrete Vereinbarungen darüber zu treffen. Deshalb möchte ich auch einheimische Organisationen aufbauen, um die Kudukh Gemeinschaften zu vereinigen und soweit in die übrige Gesellschaft zu integrieren, dass ihre positiven kulturellen Werte und ihre Bräuche wahrgenommen und gefördert werden.


Die Bedeutung meiner Promotion für meine Arbeit jetzt ist von ausschlaggebender Wichtigkeit. Ich bin gut über die Stammesgemeinschaft, ihre Kultur und die aktuellen Probleme sowie über alle Probleme, die in Zusammenhang mit der Entwicklung des Stammes stehen, informiert. Das Studium hat meine Führungsqualitäten und Forschungssachkenntnisse verbessert und gestärkt. Diese Kenntnisse werden mir in Zukunft sehr nützlich zu sein, jedes noch so komplizierte Problem der Stammesgemeinschaften zu verstehen. Außerdem hat die Promotion meinen Horizont erweitert und wird mir in der Weitergabe meiner Kenntnisse an die Förderer der Stammesentwicklung nützlich sein. Während meines Studiums hatte ich auch die Gelegenheit, mich mit vielen Experten für den weiteren Netzwerkausbau und Beratung in Verbindung zu setzen. Ich bin überzeugt, dass mein Studium von nun an jeden Aspekt meines Lebens beeinflusst."

Hintergrund Informationen  
Die nebenstehenden Kartenausschnitte zeigen die Verbreitung des Kudukh Stamms, der fünftgrößten Stammesgemeinschaft in Indien. Die Bewohner dieser Gegend haben ihre eigene Geschichte, Sprache und Kultur, ihr eigenes Gebiet und ihr Regierungssystem, und seit Jahrhunderten wurden diese Traditionen beibehalten und an die folgenden Generationen weitergegeben. Diese sind sehr verschieden und einzigartig im Vergleich zu kulturellen Gewohnheiten von Gesellschaften ohne Stammesgeschichte.


Mit dem Einfluss der Gesellschaften ohne Stammesgeschichte sieht sich der Kudukh Stamm einer zunehmenden und ungeahnten Deintegration und Marginalisierung ausgesetzt.  


Die sozio-ökonomischen, politischen und kulturellen Aspekte ihres Lebens wurden zu ihrem Nachteil beeinflusst. Sie sind nicht berechtigt, eigene Abgeordnete zu wählen, um eine eigene Regierung zu bilden. Daher werden sie seit Jahrzehnten schon aus dem gesamten Regierungsgeschehen herausgehalten. Von den politischen Rechten abgesehen wurden ihnen auch ihre Sozial-, Bildungs- und Wirtschaftsrechte genommen. Daher kämpft die Gemeinschaft für den Erhalt und Schutz ihrer Rechte und ihrer ethnischen Identität.
                           

Marginalisierung der Kudukh Stammesgemeinschaft

Marginalisierung beginnt, wenn Menschen ihre politische und wirtschaftliche Stärke verlieren und sie sich auf der Bewegungsspirale nach unten befinden. Das passiert, wenn die Menschen nicht mehr ihre eigenen Entscheidungen treffen dürfen, um ihr Leben zu verbessern und wenn sie nicht mehr ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse nutzen dürfen. Zu der politischen und wirtschaftlichen Marginalisierung gehört oft eine Marginalisierung in sozio-kultureller und psychologischer Hinsicht, die sich in einem Abstieg des Sozialstatus zusammen mit einem Gefühl der Ungerechtigkeit, der Hoffnungslosigkeit und tiefer Verwundbarkeit äußert. Das Sich-Schuldig-Machen der unterdrückten Gruppen wertet ihr eigenes Image ab, und häufig werden sie von anderen als ein sozial erniedrigendes Stigma wahrgenommen. Dieser Situation sehen sich die Kudukh Stämme aus Jhakhand ausgesetzt, da ihnen ihre Rechte verweigert und ihre Verfassungsbestimmungen aufgehoben werden.
              
Unsere Verbesserungen und Zukunftspläne (Zusammenfassung)

-    Förderung der Kudukh Sprache und Schriften, Tolong Siki um die ethnische Identität durch die Veröffentlichung von Zeitungen, Textbüchern, Flugblättern, Zeitschriften, Kalender, Abschrift von Büchern usw. zu erhalten
-    Ein Bewusstsein schaffen, um alternative politische Absprachen für die Kudukh Gemeinschaft zu ermöglichen
-    Bildung von einheimischen Organisationen, um sich zusammenzuschließen und um die Kudukh Gemeinschaft und ihre Menschen zu integrieren.  
-    Förderung der positiven kulturellen Werte und Bräuche.


Weitergeben, was man selbst geerbt hat

Kardinal Kasper

„Von dem Verkauf des geerbten Hauses haben wir ein eigenes gebaut. Wir haben selbst keine Kinder und uns entschieden, dieses Haus dem MWI zu vererben. Uns ist es wichtig, dass wir so spirituell in gut ausgebildeten Theologen gleichsam weiterleben."

Tilde und Rolf Glaser

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