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Die Mindanawon-Identität als Schlüssel zur Überwindung der religiösen und sozialen Trennlinie
von Agnes Brazal, anlässlich der Verleihung des Preises am 28. November 2003


Im Mittelpunkt meiner Rede stehen die Inseln Mindanao und Sulu im südlichen Teil der Philippinen. Vor der Ankunft der spanischen Siedler im 16. Jahrhundert wurde der Archipel von islamisierten Stämmen, nichtmuslimischen Stammesgemeinschaften (Lumad)und indigenen Völkern aus dem nördlichen und östlichen Mindanao, die cebuano sprachen, bevölkert. Heute werden die cebuano-Sprecher ethnisch mit den christlichen Migranten gleichgesetzt, die sich seit dem frühen 20. Jahrhundert auf den Inseln niedergelassen haben.

 

Die Ankunft christlicher Migranten von Luzon und Visayas führte auf Mindanao zu dramatischen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren 30 % der Bevölkerung Muslime, 20 % Lumad und 50 % Christen.[i]Im Jahre 1990 stellten die Christen bereits 75 % der Bevölkerung.[ii]Der Migrantenzustrom führte zur Ausbeutung und Marginalisierung von Muslimen und indigenen Völkern. Daraus resultierten wiederum gesellschaftliche Unruhen, der Aufstand der Moro-Bewegung in den 70er Jahren und der Bürgerkrieg von 2000. Die Konflikte führten auch zur Entstehung und Förderung von politisierter Identität.

 

Ich möchte hier das religiöse Selbstbild diskutieren, welches von den neuen, politisch-ethnischen Identitäten gefördert wird. Darüber hinaus möchte ich aufzeigen, inwiefern das entstehende Mindanawon-Bewusstsein einen kreativen Versuch darstellt, die religiöse und soziale Trennlinie zu überwinden.

 

Mindanao: Land der – noch unerfüllten – Verheißung

 

Eine wesentliche Ursache für den Anstieg der Migration nach Mindanao im frühen 20. Jahrhundert waren die Siedlungsprogramme der Regierung. Nach 1935 verfolgte die US-amerikanische Kolonialverwaltung zwei Ziele: einerseits sich Zugang zu den Ressourcen von Mindanao zu verschaffen und andererseits sowohl die Muslime als auch die Stammesgruppen zu 'zivilisieren'. In den 50er und 60er Jahren förderte die philippinische Regierung weiterhin die Einwanderung von Bauern ohne Landbesitz von Luzon und Visayas sowie von früheren Huk-Rebellen. Daneben wurden auch US-amerikanische, japanische und philippinische Handelsgesellschaften auf der Insel ansässig, um dort landwirtschaftliche Plantagen zu errichten. Anfang der 60er Jahre kamen wöchentlich rund 3.200 Migranten auf die Insel.

 

Wie auch in anderen Einwanderungsgesellschaften sammelten sich die Migranten entsprechend der ethnischen Gruppe, der sie angehörten. Entwicklungsbemühungen konzentrierten sich auf Mindanao auf die hauptsächlich von Christen bewohnten Gebiete. Häufig wurde Muslimen und Stammesangehörigen, mitunter sogar Siedlern aus der Vorkriegszeit, von den neuen Einwanderern ihr eigener Grund und Boden weggenommen. Das "Land der Verheißung" entpuppte sich als "Wilder Westen", wo wirtschaftliche und politische Machthaber sich selbst schützten, indem sie Privatarmeen gründeten oder jene Teile von Polizei und Militär bestachen, mit denen sie sich ethnisch identifizieren konnten. Die verarmten Muslime und andere, die im Kampf um Land und Lebensunterhalt nicht mit den übrigen mithalten konnten, wurden zu Banditen oder schlossen sich kommunistischen Rebellen oder fanatischen, religiös-inspirierten Gruppierungen an.

 

Die Ursachen für die Konflikte auf Mindanao sind auf verschiedenen Ebenen angesiedelt. Auf wirtschaftlicher Ebene herrscht ein Kampf um die knappen Ressourcen; er kommt in den Fällen von unrechtmäßiger Landaneignung und in den Bestrebungen um die Rückerlangung landwirtschaftlichen Bodens von eingewanderten Siedlern zum Ausdruck. Auf politischer Ebene stehen die Vernachlässigung der misslichen Lage von Muslimen und indigenen Stammesvölkern durch die Regierung, sowie Uneinigkeiten unter den Muslimen selbst. Schließlich sind auf soziopsychologischer Ebene interethnischer Chauvinismus und die Furcht vor Eliminierung oder Völkermord anzutreffen.

 

Die Situation wird von den Medien und einigen politischen Gruppen häufig als Konflikt zwischen Muslimen und Christen beschrieben. Die Konfliktparteien – sowohl Immigranten und Muslime als auch indigene Stämme – gehören jedoch verschiedenen ethnisch-linguistischen Gruppen an und haben nur sehr wenig Sinn für gemeinschaftsbezogene Identität.[iii]Eine derartige religiöse Etikettierung ignoriert außerdem die Existenz und Situation der nichtmuslimischen indigenen Stämme.

 

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden bei den marginalisierten Gruppen auf Mindanao jedoch neue, politisierte Identitäten. Diese sind Ausdruck deren gestärkten Gemeinschaftsbewusstseins hinsichtlich gewisser politischer Ziele. Durch die neuen, widerständigen Identitäten und deren Diskurse wurde außerdem direkt oder indirekt ein gewisses religiöses Selbstverständnis gefördert; auch wurde die Religion in unterschiedlicher Intensität als Kulturmarker benutzt.

            

Die politisch-ethnischen Identitäten der Moro und Lumad und der wandel im religiösen Selbstverständnis

 

In der Anthropologie wird auch heute noch die Ethnizität zur Beschreibung gesellschaftlicher Gruppen mit einer gemeinsamen Kultur verwendet. In Abhängigkeit davon, was als Symbol für die gemeinsame kulturelle Praxis angesehen wird, kann sie sowohl auf der Grundlage von Sprache und Religion als auch von Nationalität definiert werden.

 

In der Forschung, die sich mit den Bereichen Ethnizität und ethnische Konflikte befasst, gibt es drei Hauptansätze, die uns als Hintergrund für die Analyse der entstehenden ethnischen Identitäten auf Mindanao dienen können: das primordialistische, das instrumentalistische und das gesellschaftskonstruktivistische Modell.[iv]Der primordialistische Ansatz setzt Ethnizität als festes Charakteristikum voraus, das in einem Sinn für Verwandtschaft als Grad von Bezogenheit seine Wurzeln hat. Ausgangspunkt ist der Glaube an eine gemeinsame Abstammung oder genetische Quelle. Diese Sichtweise kann die Entstehung neuer, gewandelter Identitäten nicht erklären und betrachtet ethnische Unterschiede als inhärent konfliktuell.

 

Der instrumentalistische Ansatz betrachtet Ethnizität als ein reines Mittel, das von Individuen, Gruppen oder Eliten zur Erreichung politischer Ziele oder Vorteile eingesetzt wird. Er unterscheidet sich daher nicht wesentlich von politischer Zugehörigkeit. Kritiker dieser Sichtweise mögen zu Recht darauf verweisen, dass weder Individuen noch Gruppen vermögen, über ihre eigene Ethnizität ganz und gar selbst zu entscheiden. Die Ausbildung einer neuen ethnischen Identität geschieht eher im Wechselspiel mit den Prozessen, die in der gesamten Gesellschaft ablaufen.

 

Beim konstruktionistischen Ansatz, der in der Wissenschaft allgemein Konsens findet, wird davon ausgegangen, dass ethnische Gruppen weder starr noch völlig flexibel sind. Sie sind "gedachte Gemeinschaften", d. h. Produkt eines soziohistorischen Phänomens.[v]Ethnische Identitäten sind keine festen Gebilde, die nur darauf warten, dass wir sie enthüllen. Vielmehr verändern sie sich so, wie sich auch das Sprechen über ethnische Beziehungen verändert. In diesem Zusammenhang spielt eine rationale, gezielte Wahlentscheidung von Individuen oder Gruppen immer noch eine Rolle, jedoch nicht unabhängig von ihrer Interaktion mit den gesellschaftlichen Systemen. Es ist Aufgabe von "Mythenmachern", eine Vorstellung von Gemeinschaft in der neuen Ethnie zu prägen.

 

Auf der Grundlage einer konstruktionistischen Perspektive wollen wir nun die neuen politisch-ethnischen Identitäten diskutieren, die auf Mindanao geprägt werden, sowie das im Wandel befindliche religiöse Selbstverständnis der Völker, insofern Religion in die Diskurse über Ethnizität einbezogen wird.

 

Die Moro/Bangsamoro-Identität

 

Wie bereits angemerkt, stellten die islamisierten Stämme auf den Philippinen vor Ende der 60er Jahre keine einheitliche Gruppe dar.[vi]Über dreihundert Jahre hinweg bekämpften sie als separate Sultanate die Spanier, und wie auch im übrigen Südostasien bekämpften auch die Sultanate einander. Der Begriff "Bangsamoro" heißt wörtlich übersetzt "Nation" (bangsaund ist eine Erfindung des späten 20. Jahrhunderts. Er bezeichnet eine Gruppe von Menschen mit deren Territorium.

 

Die Art und Weise, in der die Moro ihre religiöse und ethnische Identität geltend machen, ist von zwei grundlegenden Trends gekennzeichnet: dem modernistischen und dem fundamentalistischen.[vii]Der modernistische setzt sich in erster Linie für eine Rekonstruktion des Islam zur Anpassung an die heutigen Bedürfnisse ein; der fundamentalistische versucht dahingegen, "ewige islamische Wahrheiten" auf die gegenwärtige Situation anzuwenden.

 

Der modernistische Trend

 

Die Modernisten betrachten eine Ablösung oder Unabhängigkeit vom philippinischen Staat nicht als integralen Bestandteil der Bewahrung der islamischen religiösen Identität. Sie lehnen das alte feudale datu- und sultan-System ab, welches in der vorkolonialen Zeit die traditionelle Führungsstruktur darstellte und in einigen muslimischen Gemeinschaften auf den Philippinen aufrecht erhalten wurde. Die Modernisten sind von der Notwendigkeit überzeugt, "Gott in dieser modernen Zeit Gott sein zu lassen" und demonstrieren ihre Offenheit zur Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Traditionen des Glaubens an den einen Gott.

 

Ein Teil der Modernisten hält es für möglich, im heutigen Rechtssystem der Philippinen Reformen voranzutreiben, Respekt für die islamischen Gesetze einzuführen und somit die muslimische Identität aufrecht zu erhalten. Ein anderer Teil der Modernisten, vertreten durch die Nationale Befreiungsfront der Moro (MNLF) plädiert für einen Autonomiestatus der Bangsamoro in einer föderalen Republik.[viii]

 

Der fundamentalistische Trend

 

Die fundamentalistischen Muslime können ebenfalls in zwei Gruppen eingeteilt werden: in die "Erneuerungs-" und die radikalen Fundamentalisten. Erstere befürworten eine enge Orientierung am Islamischen Gesetz und eine Wiedereinführung des datu- und sultan-Regierungssystems. Die Bangsa Moro-Befreiungsorganisation (BMLO), die von einigen datus und sultans von Mindanao gegründet wurde, steht für dieses Streben, die glorreiche Vergangenheit wiederaufleben zu lassen. Die BMLO hat sich die Gründung eines Bangsamoro-Staates (einer islamischen Regierung) auf dem ursprünglichen Land der Moro zum Ziel gesetzt. Die politische Führung soll aus datus gebildet werden und dem Islamischen Recht unterliegen.

 

Die radikalen Fundamentalisten werden durch die Islamische Moro-Befreiungsfront (MILF) vertreten. Sie unterscheiden sich darin von den "Erneuerungs"-Fundamentalisten, dass sie eine Rückkehr zum datu-System und zum Sultanat als unislamisch ablehnen. Die MILF spricht sich für eine strikte Orientierung am Koran und der Sunna (Gesamtheit des traditionellen Islamischen Gesetzes) aus. Sie schlägt eine Wiederbelebung dessen vor, was sie als die "authentischen Wurzeln" des Islam betrachtetund stellt sich für die Moro einen Islamischen Staat unter der ausschließlichen Herrschaft Gottes vor. Die MILF ist eine religiöse Bewegung. Sie betrachtet die volle Unabhängigkeit der Bangsamoro-Muslime als unantastbar, weil sie davon ausgeht, dass nur in einem islamischen Staat die im Koran niedergelegte Lehre der Gottesverehrung und des rechten Verhaltens verwirklicht werden kann.[ix]Salamat Hashim, der Gründer der MILF, hält jede Verwestlichung des Islam für einen Widerspruch zum Koran und zur Sunna und betrachtet die modernistischen Muslime als "ungläubig" und "islamunkundig".

 

Um eine Loslösung vom philippinischen Staat voranzutreiben, hat die MILF Mythen vorgebracht, mit denen die Existenz eines "ganz anderen und völlig separaten" Volkes in typisch [x]primordialistischer Herangehensweise gestützt werden sollte. Einer dieser Mythen ist Hashims Behauptung, die Nation der bangsamoro habe schon vor der Gründung des philippinischen Staates bestanden und schließe auch nichtmuslimische indigene Völker ein. Deren ursprüngliches Heimatland bestehe aus dem gesamten Mindanao-Archipel. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um eine Projektion des Begriffes "bangsamoro" auf die Philippinen vor der Zeit der Kolonisierung. Bangsamoro hat als Ethnizität weder in vorkolonialer noch kolonialer oder gar nachkolonialer Zeit existiert. Es handelt sich hierbei lediglich um ein Konstrukt des ausgehenden 20. Jahrhunderts.[xi] 

 

Ein weiterer Mythos ist die Behauptung, die Muslime seien niemals unterworfen worden – weder von den Spaniern noch von den Amerikanern, und das Bangsamoro-Heimatland sei unrechtmäßig an den philippinischen Staat angegliedert worden, als dieser die Unabhängigkeit erlangt hatte. Zwar kann man dies als symbolischen Ausdruck des fortwährenden Widerstandes der Muslime gegen die Kolonisierung durch die Spanier und Amerikaner verstehen, jedoch würde ein solches Verständnis nicht genau den historischen Tatsachen entsprechen.Im Jahre 1878 unterzeichnete Sultan Jama ul-Azam von Sulu einen Friedensvertrag mit der spanischen Regierung, in dem er seine Untergebenen dem spanischen König unterstellte, gleichzeitig jedoch die Autonomie Sulus sicherte. Der Datu Utto von Cotabato kapitulierte ebenfalls vor den Spaniern (1887) und unterwarf sich der Herrschaft des Königs von Spanien.[xii]Und gemeinsam mit den Lumad und Christen wurden die Muslime von den Amerikanern kolonisiert. 

 

In ihrem Streben nach einer Rückkehr zu den "islamischen Wurzeln" lehnten die radikalen Fundamentalisten einige religiöse Rituale und beliebte kulturelle Bräuche der Muslime ab.[xiii]So lehnen sie beispielsweise die traditionellen Bestattungsrituale ab, bei denen Gebete, die Verwendung von Weihrauch sowie rituelle Waschungen am Begräbnisort zum traditionellen islamischen Beerdigungsritus hinzugefügt wurden. Von den ustadzes (islamischen Lehrern) werden sie eher als Verfälschungen denn als Inkulturation islamischer Praxis angesehen.

 

Das Bedürfnis nach Kontrolle des Verhaltens von Frauen findet auch in einigen jener Reformen seinen Niederschlag, die von den ustadzesbefürwortet werden. So beispielsweise das Verbot von Not-Heiraten (wenn die Frau bereits schwanger ist), das dayunday(ein Gesangsduell, bei dem ein Mann und ein oder zwei Frauen aus dem Stegreif romantische Schlagfertigkeiten austauschen) und andere Formen der Unterhaltung.[xiv]Gegen Ende der Moro-Rebellion in den 70er Jahren und nach Beginn der Waffenruhe treiben nicht selten Leichen von Frauen in Flüssen, welche aus "befreiten" Gebieten kommen. Die Leute glauben, dass diese Leichen die Körper von Frauen sind, die von den Gerichten der Rebellen für verbotene sexuelle Beziehungen bestraft worden sind. Die Nachricht von diesen Ereignissen wird von den gewöhnlichen Muslimen mit Besorgnis aufgenommen. Aber die MILF-Gerichtshöfe haben die Sharia nicht im strengen Sinne eingeführt, denn sie gehen davon aus, dass die örtlichen Muslime keine echten Muslime sind und deshalb noch nicht den strengeren islamischen Strafen unterworfen sind.

 

Die gewöhnlichen Muslime haben sich gegen diese Versuche der islamischen Führer, ihnen ihr Verständnis des Islam aufzuoktroyieren, vorsichtig, aber mit Nachdruck zur Wehr gesetzt, gleichzeitig aber weiterhin den bewaffneten Kampf unterstützt. Die imam von Gemeinschaften vermitteln zwischen den Gemeinschaften und den ustadzes. So unterstreichen sie beispielsweise die Notwendigkeit, das Unislamische vom Antiislamischen zu unterscheiden. Traditionelle Rituale sind nicht zwangsläufig antiislamisch. Die Imam impfen den Gemeinschaften ein, diese müssten die Lehre des Koran befolgen, nicht aber die kulturellen Praktiken des Nahen Ostens, und die jungen ustadzesseien nicht dazu fähig, zwischen Islamisierung und Arabisierung zu unterscheiden.

 

Die Identität der Lumad und die Wiederanerkennung einer indigenen, religiös-kulturellen Weltsicht[xv]

 

Ebenso wie die islamisierten Stämme haben auch die indigenen Völker von Mindanao bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein kein gemeinschaftliches Bewusstsein entwickelt. Der Sammelbegriff "Lumad" ist eine Selbstbezeichnung, die lediglich aus den letzten 15 Jahren datiert. In der Vergangenheit wurden die Lumad von Außenstehenden auf verschiedenerlei Weise bezeichnet (z. B. paganos, "wilde Stämme", "Stammesminderheiten", "indigene kulturelle Gemeinschaften" usw.). Der Begriff "Lumad" ist heute ein Akronym[xvi]mit der Bedeutung "Indigene Allianz für Demokratie".

 

"Lumad" ist eine politisierte Identität, die von Mitgliedern und Befürwortergruppen von Lumad-Mindanao, einer Koalition aus lokalen und regionalen Gesamt-Lumad-Gruppen, konstruiert worden ist und propagiert wird. Diese Koalition setzt sich für die folgenden Ziele ein: 1) den Schutz der Identität und der Rechte der Lumad; 2) den Schutz des von den Vorfahren ererbten Gebietes; 3) die Bewahrung des kulturellen Erbes der Lumad.

 

Die Lumad-Identität entstand im Kontext eines stärker gewordenen Bewusstseins der verschiedenen Stammesgruppen für ihre gemeinsame missliche Lage und ihre gemeinsamen Wünsche und Sehnsüchte. Ihre Geburtsstunde fiel in die Zeit der Diktatur Marcos im Kontext der Landaneignung durch Migranten, des Eindringens multinationaler Konzerne in ihren angestammten Bereich, der Armut, Militarisierung und Vernachlässigung durch die Politik. Dazu, dass die MILF die Lumad in die Bangsamoro-Identität einschloss, erklärte der Generalsekretär von Lumad-Mindanao mit deutlichen Worten, die Lumad betrachteten sich selbst nicht als Bangsa Moro noch erhöben sie Anspruch auf Gebiete, in denen Muslime die Mehrheit stellen; vielmehr sei das übrige Mindanao von alters her ihr von den Vorfahren ererbtes Eigentum.

 

Wegen der starken Präsenz von Einwanderern stellen die Lumad heute in lediglich neun Städten die Mehrheit, obgleich sie früher doch Gebiete besiedelten, auf denen sich heute 17 Provinzen und 14 Städte befinden. Nachdem sie viele Jahre lang als unabhängige Gemeinschaften – mitunter sogar im Konflikt miteinander – gelebt hatten, begriffen die Lumad-Stämme allmählich, dass ihr Überleben davon abhängt, dass es ihnen gelingt, als Einheit, d. h. als Lumad, geeint zu sein. Von der Regierung fordern sie die Anerkennung ihrer gemeinschaftlichen Eigentümerschaft bezüglich von Stammesgebieten und ihres Rechtes auf Leitung ihrer Gemeinschaft entsprechend den Stammesgesetzen. Es gelang ihnen, in die Verfassung von 1987 Bestimmungen einfügen zu lassen, die diesem Ideal nahe kommen.[xvii]

 

An dieser Stelle sei betont, dass römisch-katholische und protestantische Führungsverantwortliche die Lumad bei ihrer Selbstorganisation maßgeblich unterstützt haben. Auf der ersten Vollversammlung derLumad Mindanao im Jahre 1983 stellten Kirchenleute die Mehrheit derjenigen, die an der Organisation der Lumad mitwirkten. Als Teil der KADUMA-Lumad (was heißt: "in Partnerschaft mit den Lumad") tragen sie auch weiterhin helfend zur Identitätsentwicklung der Lumad bei.

 

Erstmalig in ihrer Art war eine vom Bishops-Ulama Forum (BUF) im Jahre 1997 organisierte Konferenz, bei der ein Dialog zwischen Lumad und Christen stattfand.[xviii]Erzbischof Fernando Capalla bat um Vergebung für das durch die Kirche an den Lumad begangene Unrecht, was die Lumad dankbar aufnahmen. Die Konferenz endete mit dem Entschluss der Christen, die Glaubensüberzeugungen der Lumad zu respektieren und an den Seminaren zu lehren. Es bleibt zu hoffen, dass dies zur Verhinderung von Handlungen beiträgt, die das Humanisierende an der Lumad-Kultur zerstören könnten. Die Lumad ihrerseits gelobten, Anstrengungen zu unternehmen, um ihre untergehende Kultur wiederzubeleben und ihre Umwelt wie auch ihre Gemeinschaften zu schützen. Weiterhin hat die BUF, um ihr Verständnis des Glaubenssystems der Lumad zu vertiefen, auch finanzielle Mittel zur Förderung eines Projekts, nämlich einer Reihe von Forschungsworkshops für Diözesanpersonal (Lumad und nicht-Lumad) auf Mindanao zum Thema der Weltsicht und Glaubensüberzeugungen der Lumad zur Verfügung gestellt. 

 

 

Vom Begriff der "Drei Völker" [xix] hin zu einer Mindanawon-Identität

 

Marginalisierte Gruppen mögen ein berechtigtes Bedürfnis danach verspüren, ihre Identität geltend zu machen. Darüber hinaus ist es jedoch auch nötig, der soziopolitischen Vorstellungskraft in der jeweiligen Region neue Nahrung zu geben, damit diese die soziale und religiöse Trennlinie zu überwinden vermag. Einige Theoretiker haben auf die Notwendigkeit verwiesen, Begriffe wie "separate Geschichte, unterschiedliche Identitäten" zu verwerfen oderzumindest auch die Kehrseite der Medaille zu betrachten, nämlich die Verflechtung von Abstammung und kulturellen Gepflogenheiten (z. B. die gemeinsame animistische Basis von volkstümlichem Islam und volkstümlichem Christentum) bei den Völkern auf Mindanao.[xx] 

 

Auf derselben Linie liegt eine noch sehr junge, jedoch immer mehr an Stoßkraft gewinnende Bewegung, welche die Bewohner von Mindanao "Mindanawon(s)" nennt. Die Völker auf Mindanao hatten diese Bezeichnung bis dahin normalerweise nicht für sich selbst benutzt. Der Begriff beruht auf einer geographischen Verortung als einer auf den Philippinen üblichen Art der Identitätsdarstellung. "Mindanawon" betont weniger die Idee von einer gegensätzlichen Identität, als vielmehr die Vorstellung von einem miteinander geteilten Gebiet. Das ermöglicht einen klareren Blick für das Verbindende zwischen den Menschen, weniger für die Unterschiede zwischen ihnen.

 

Das "Mindanawon"-Bewusstsein hat seinen Ursprung in der sogenannten "Drei Völker"-Perspektive, d. h. dass Mindanao die Heimat dreier Volksgruppen ist: der Lumad, der Moro und der Christen.[xxi]Historisch gesehen sollte der Begriff "Drei Völker" ein gesteigertes Bewusstsein für und eine größere Wertschätzung der Lumad-Völker und –kultur durch die Christen und Moro bewirken. Die Lumad waren nicht nur Opfer der Landaneignung durch migrierende Christen, sondern sie wurden auch von den Moro versklavt. Der Begriff "Drei Völker" sollte den gegenwärtig drei Volksgruppen auf Mindanao gleichermaßen viel Anerkennung schenken – unabhängig von ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung.[xxii]Auch andere gesellschaftliche Gruppen wie z. B. kirchliche Institutionen übernahmen schließlich das dem Begriff "Drei Völker" zugrunde liegende Denkraster. 

 

Heute verfeinert die Mindanao-Koalition von Entwicklungs-NGOs, welche mehr als zehn Jahre lang das "Drei Völker"-Denkraster für Frieden und Entwicklung beförderte, ihre Strategie, indem sie zur Verwendung des Begriffs "Mindanawon" übergeht. Manche meinen, der Begriff "Drei Völker" führe eher zu einer Spaltung als Vereinigung, da er die Unterschiedlichkeit der drei Volksgruppen hervorhebe. 

 

Die Befürworter einer Mindanawon-Identität agieren auf der Grundlage der folgenden wesentlichen Voraussetzungen:[xxiii]Erstens wird Mindanao als Ergebnis geschichtlicher und gesellschaftlicher Kräfte heute von drei verschiedenen Gruppen bewohnt: von Lumad (5 %), Muslimen (20 %) und Christen (75 %). Zweitens kann keine dieser Gruppen Mindanao als allein ihr selbst gehörig betrachten; vielmehr sollte Mindanao als miteinander geteiltes Gebiet angesehen werden. Drittens können die Gruppen trotz der kulturellen und religiösen Unterschiede sowie der ererbten Vorurteile gegeneinander zusammenarbeiten, um aus Mindanao "ein Haus des Friedens und der Harmonie" zu machen. Die Basis der Einheit ist die gleichwertige, gegenseitige Akzeptanz der anderen als unterschiedlicher Völker innerhalb ein und derselben Nation und auf ein und demselben Staatsgebiet.[xxiv]Jene, die das Mindanawon-Bewusstsein stärken wollen, stellen Mythen der verschiedenen Gruppen auf Mindanao heraus. Diese Mythen erzählen von einem gemeinsamen Ursprung, auf den ein Prozess der Differenzierung von Völkern folgte, wovon einige in der Ebene und einige in den Bergen leben, und aus dem wiederum eine Erklärung für die Assimilierung fremder Elemente hervorging. Diese Mythen bringen das Streben der Menschen sowohl nach Einheit als auch Verschiedenheit zum Ausdruck.

 

Für eine Kultur des Friedens und des Dialogs

 

Die Förderung der Mindanawon-Identität auf der Basis eines "Drei Völker"-Denkrasters erfordert die Schaffung einer Kultur des Friedens und des Dialogs. Statt Ethnizität als selbstverständliche Ursache von Spannung und Konflikten anzusehen, gehen die Verfechter der Mindanawon-Identität davon aus, dass Ethnizität bei der Schaffung einer Kultur des Friedens eine Rolle spielen kann.[xxv] 

            

Im Jahre 1996 schlossen sich führende Friedensbefürworter und im Bereich der Erziehung Tätige der Lumad, Muslime und Christen zu einer Bewegung mit dem Namen "Peace Mindanaw" (Kalinaw Mindanawzusammen. Deren Vision aus der Perspektive einer "Drei Völker"-Idee heraus kommt in einem Friedens-Credo zum Ausdruck, welches sie bei ihrer Zusammenkunft formulierten, für gut befanden und annahmen. Seither wurde dieser Text in 14 Lokalsprachen übersetzt und zehnfach als Lied vertont.[xxvi]Die Bewegung hat außerdem auf Mindanao mehr als 50 Seminare zum Thema "Friedenskultur" mitfinanziert und ein Modul erarbeitet, das bereits umfassend genutzt worden ist – sogar von Regierungsinstitutionen.[xxvii]

 

Hinsichtlich der religiösen Identität betrachten die Verfechter des Mindanawon-Bewusstseins den interreligiösen Dialog als notwendige Grundlage für das harmonische Zusammenleben der drei Volksgruppen. Daher fördern sie aktiv den interreligiösen Dialog, der während der vergangenen drei Jahrzehnte auf Mindanao/Sulu gepflegt worden ist.

 

In seinem Buch Walking Together, Seeking Peacehat Fr. William LaRousse aufgezeigt, wie in der Katholischen Kirche auf Mindanao/Sulu zwischen 1965 und 2000 Schritt für Schritt eine Integrierung des interreligiösen Dialogs als integralen Bestandteils ihrer Identität und Sendung stattgefunden hat. Vor Beginn der 80er Jahre wurde der Begriff "Dialog" mehr mit formalen Zusammenkünften und Verhandlungen mit der Regierung verbunden, welche der Episkopat nicht als seine Aufgabe betrachtete.

 

In den 90er Jahren fand das Thema des interreligiösen Dialogs verstärkt Eingang in die Ortskirche.[xxviii]Dies wurde durch folgende Ereignisse gefördert: 1) den Hirtenbrief der Katholischen Bischofskonferenz der Philippinen (CBCP) von 1990, in dem der Kampf der Moro um Selbstbestimmung anerkannt und für eine friedliche Lösung des Problems plädiert wurde; gleichzeitig stellte sich die Kirche als Partner im Friedensprozess dar; 2) die Bildung eines Bischöflichen Ausschusses für interreligiösen Dialog; so sollten bereits eingeleitete Bemühungen auf diözesaner Ebene weiter gefördert und unterstützt werden; 3) die Bildung eines Ausschusses für Nationale Einheit (NUC) durch die Regierung (1992); so wurde eine ganze Reihe von Aktivitäten ins Leben gerufen, deren Ziel der Dialog zwischen Muslimen und Christen sein soll und an dem die Kirche auf Mindanao/Sulu maßgeblich beteiligt war; 4) die ZAMBASULI (Inseln Zamboanga, Basilan und Sulu) –Friedenskonsultation von 1994, die zur Einrichtung von Referaten für interreligiösen Dialog in den verschiedenen Diözesen führte. 

 

Das Bishops-Ulama-Forum, welches sich aus katholischen und protestantischen Bischöfen auf Mindanao und aus ulama (religiösen Führern der Muslime) der Ulama-Liga auf den Philippinen zusammensetzt, treibt heute den interreligiösen Dialog auf Mindanao voran. Ihre Bemühungen finden statt in der Form von Konferenzen, an denen Imam und Priester teilnehmen, in der Form der Förderung einer Kultur des Friedens und Dialogs in muslimischen und christlichen Schulen sowie der Unterstützung von Bürgerinitiativen wie der Schaffung von Friedenszonen in Kontexten eines zunehmend bewaffnet ausgetragenen Konflikts.

Angesichts von Studien, die ein größeres Zögern von Seiten der Christen zum Beziehungsaufbau zu Muslimen als umgekehrt belegen, stellt die zunehmende Empfänglichkeit der Kirche von Mindanao/Sulu für das Thema des interreligiösen Dialogs eine bedeutsame Entwicklung dar.[xxix]Herausfordernd sind in diesem Zusammenhang jedoch weiterhin die zeitweilig ausbrechenden bewaffneten Konflikte, die häufig zu Bitterkeit und Groll führen und die Menschen weniger aufgeschlossen für den Dialog werden lassen.

 

Schluss

            

Der Zustrom von Migranten auf Mindanao insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat in der Region zu sozialer Instabilität geführt und eine Atmosphäre entstehen lassen, die der Entstehung von politisierten ethnischen Identitäten förderlich ist. Mindanao ist heute eine Kampfesarena für konkurrierende politisch-ethnische Diskurse.

 

Welches religiöse Selbstbild haben sie befördert? Die Moro/Bangsamoro-Identität hat zwei verschiedene Herangehensweisen an die Frage nach religiöser und ethnischer Identität vorangetrieben: die modernistische und die fundamentalistische. Die Modernisten sind dafür offener, den Islam an sich wandelnde Kontexte anzupassen und insbesondere Wege zu erschließen, auf denen dies im philippinischen Staat verwirklicht werden kann. Demgegenüber versuchen die Fundamentalisten, eine bestimmte historische Art und Weise, den Islam zu leben, wiederherzustellen, und sie sprechen sich für eine strenge Befolgung des islamischen Gesetzes aus. Während die Modernisten für interreligiösen Dialog offener sind, verbieten einige radikale Fundamentalisten den Austausch mit Menschen anderen Glaubens, welche sie als unrein betrachten. Sie betrachten volkstümliche Formen des Islam und andere örtliche Gepflogenheiten eher als Verfälschungen denn als Formen der Inkulturation des islamischen Glaubens.

 

Die Lumad erfahren aufgrund ihres gewachsenen politischen Bewusstseins und ihrer Selbstorganisation die Herausforderung, ihre religiöse Weltsicht und Kultur, von denen sie entfremdet worden sind, wiederzuentdecken und neu wertzuschätzen. Die Christen haben ihnen aktiv dabei unter die Arme gegriffen, sich zu organisieren und ihre Traditionen wiederzufinden.

 

Zwar ist die Entwicklung eines kollektiven Bewusstseins, das über ethnisch-linguistische Gruppen hinausgeht, nötig, um die Bewahrung der politischen und kulturellen Rechte von Muslimen und Lumad zu sichern, jedoch müssen die Völker auf Mindanao auch die religiöse und gesellschaftliche Trennlinie überwinden, um auf den Inseln weiteres Blutvergießen zu verhindern. Nachdem mehr als ein Jahrzehnt lang ein "Drei Völker"-Bewusstsein gefördert worden ist, ist unlängst ein Netzwerk aus Friedenskämpfern zur Propagierung einer Mindanawon-Identität übergegangen, also einer Selbstbezeichnung, die nicht auf religiösen Markern, sondern auf der Verbindung der Menschen zu dem Land, auf dem sie leben, beruht.

 

Das Mindanawon-Bewusstsein stellt einen kreativen Versuch der kollektiven Vorstellung und des Aufbaus einer neuen, transzendenten Identität dar. Der Begriff "Mindanawon" ermöglicht es der Vorstellungskraft, nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Gemeinsamkeiten der drei Völker zu erforschen. Eine Überwindung des Schlagwortes "muslimisch-christlicher Konflikt" kann den Menschen für andere Dimensionen ihres Problems die Augen öffnen, wie z. B. für das Eindringen multinationaler Konzerne auf Mindanao und das Ausbeuten von lokalen Ressourcen durch dieselben, für Bestechung und Korruption durch die Regierungsverantwortlichen (Christen, Muslime und Lumad gleichermaßen) und für die Klasseneinteilungen innerhalb der ethnischen Gruppen selbst. Das Mindanawon-Bewusstsein vermeidet auch die Politisierung von Religion als Kulturmarker, denn der Konflikt auf Mindanao kann nicht auf religiöse Unterschiede reduziert werden. Der interreligiöse Dialog muss weiterhin ein wichtiges Werkzeug zur Schaffung einer Kultur des Friedens sein. Für die Verfechter von Mindanawon ist es daher ebenfalls bedeutsam, dass der interreligiöse Dialog in den letzten zehn Jahren stark zugenommen hat und dass die Kirche von Mindanao/Sulu, der die meisten Migranten und ihre Nachkommen angehören, den interreligiösen Dialog als zentralen Bestandteil ihres Selbstverständnisses und ihrer Sendung anerkannt hat. In diesem Zusammenhang könnte ein wichtiges Thema für den künftigen Dialog mit dem Ziel der Entwicklung einer Mindanawon-Identität eine Drei Völker-Theologie des Landes sein.

 

Die Entwicklung einer neuen ethnischen Identität hängt jedoch nicht einfach davon ab, was Individuen oder eine Gruppe von Intellektuellen vorschlagen (instrumentalistische Perspektive), sondern wird auch auf dem Wechselspiel geschichtlicher Kräfte (gesellschaftskonstruktionistisch) beruhen. Die Mindanawon-Alternative ist attraktiv, jedoch mag auf jener Insel, die einst "Land der Verheißung" genannt wurde, erst aus der Interaktion dieses Diskurses mit den verschiedenen gesellschaftlichen Kräften und Systemen etwas Neues Gestalt annehmen.

 

. J. May, "The Wild West in the South: A Recent Political History of Mindanao," in: Mark Turner, R. J. May and Lulu Respall Turner, eds., Mindanao: Land of Unfulfilled Promise(Quezon City: New Day, 1992), 127.

[ii]B. R. Rodil, "It is Time for Mutual Affirmative Action," Kalinaw Mindanawhttp://www.mindanao.com/kalinaw/peaceproc/mutualaffaxn.htm; Internet; Zugang 7. März 2003.

[iii]  Wir sprechen hier von 13 islamisierten Stämmen, rund 18 Lumad-Gemeinschaften und Immigranten aus verschiedenen ethnisch-linguistischen Gruppen auf Luzon und Visayas.   

[iv]David Lake / Donald Rothchild, "Ethnic Fears and Global Engagement: The International Spread and Management of Global Conflict," in: http://ps.ucdavis.edu/classes/pol129/CHE/lake_rothchild.html; Internet; 20. Februar 2001.

[v]Benedict Anderson, Imagined Communities: Reflections on the Origin and Spread of Nationalism, (London: Verso, 71996), 7.

[vi]  Die Anfänge der Entwicklung einer einheitlichen muslimischen Identität auf den Philippinen datieren aus jener Zeit (1899-1946), als die amerikanischen Siedler als Teil ihrer Befriedungskampagne ihren Zusammenschluss in einer "Provinz Moro" unter einer aufgeklärteren (d. h. verwestlichten) Führung vorantrieben. 

[vii] George Decasa, The Qur’anic Concept of Umma and its Function in Philippine Muslim Society(Rome: Editrice Pontificia Università Gregoriana, 1999), 379-392. 

[viii]    Für die MNLF besteht das Gebiet der bangsamoro aus den 13 Provinzen von Mindanao, wie im Vertrag zwischen der MNLF und den Philippinen von 1976 in Tripolis vereinbart. Auf diesem Gebiet dürfen die Muslimen unter islamischem Recht ihr eigenes Gericht abhalten. Die MNLF setzt sich auch für einen inklusiveren Gebrauch des Begriffs "bangsamoro" ein. Dabei sollen zu Moro auch die Nicht-Muslimen gehören, also die Christen und Lumad, die auf dem Moro-Homeland leben. Die MNLF betrachtet Bangsamoro als den Ort, an dem verschiedene Religionen harmonisch nebeneinander und nach ihren jeweiligen Gesetzen leben.  

[ix] Da die Muslime auf Mindanao heute die Minderheit stellen, fordert die MILF die völlige Unabhängigkeit von Provinzen und Stadtbezirken, in denen Bangsamoro-Muslime die Mehrheit stellen, sowie jener Gebiete, in denen nichtmuslimische Bangsamoro-Stämme leben. Die Nicht-Muslime (Lumad und Christen) in den Bangsamoro-Gebieten sollen durch dieselben Rechte geschützt werden, lediglich sollen sie nicht Staatsoberhaupt werden können oder für die Verbreitung islamischer Ideologie zuständig sein. A. M. Lingga, "Salamat Hashim’s Concept of Bangsamoro State and Government," Dansalan Quarterly15/3-4 (1995): 57, zitiert von Decasa, The Quranic Concept of Umma, 384.   

  

[xi]Thomas McKenna, Muslim Rulers and Rebels: Everyday Politics and Armed Separatism in the Southern Philippines(Berkeley: University of California Press, 1998), 82-83.

[xii] Rodil, "It is Time for Mutual Affirmative Action ," 4. 

[xiii]McKenna, Muslim Rulers and Rebels, 220-226.

[xiv]Ibid., 329.

[xv]B. R. Rodil, "Ancestral Domain: A Central Issue in the Lumad Struggle for Self-determination in Mindanao," in: Mindanao, ed. Turner et al., 233-247.   

[xvi]  "Lumad" steht für Lumadnong Alyanso Alang sa Demokrasya. 

[xvii] Siehe Artikel 12, Abschnitt 5 und Artikel 14, Abschnitt 17. 

[xviii]    Teilnehmer waren eine kleine Gruppe Christen und 57 Lumad (Stammesführer, religiöse Führer oder deren Stellvertreter) von elf der 18 ethnolinguistischen Gruppen der Lumad. Die Konferenz wurde vom Bischöflichen Ausschuss für interreligiösen Dialog gesponsort.    

[xix] Im englischen Original: "tri-people" (Anm. d. Übersetzerin). 

[xx]Arnold Azurin, Beyond the Cult of Dissidence in Southern Philippines and Wartorn Zones in the Global Village(Quezon City: University of the Philippines, 1996), 252-253.

[xxi]Rick Flores, "Mindanawon instead of Tri-people," MindaNews(10 December 2002);  http://www.mindanews.com/2002/12/3rd/vws10mincode.html ; Internet; Zugang 15. Februar 2003.   

[xxii] Das Dokument Mindanao Tri-people’s Socio-Cultural Development Framework (MTSCDF) enthält die kollektive Vision der drei Völker und ist das Ergebnis von Konsultationen verschiedener Gruppen seit 1991. 

[xxiii]Rodil, "It is Time for Mutual Affirmative Action" 2.

[xxiv]  Die Bewegung hat die Vorstellung von einem philippinischen Bundesstaat, der sich aus fünf oder sechs Staaten zusammensetzt. Einer dieser Staaten kann der islamische Staat sein, dem die überwiegend muslimischen Provinzen (Sulu, Tawi-tawi, Lanao del Sur, Maguindanao und Basilan) und Stadtverwaltungen angehören. Rey Magno Teves, "Impasse Breaker: An Islamic State within a Federal Philippines?" Intersect(September 1999): 10-13.   

[xxv] Rodil, "It is Time for Mutual Affirmative Action, 13.  

[xxvi]   In der englischen Übersetzung des Friedens-Credos heißt es: Peace Mindanaw!!! Lumad, Muslim, Christian, they are different, they can be one; One God, One land, One dream; Peace Mindanaw!!! (Friede für Mindanaw!!! Lumad, Muslime und Christen sind verschieden, aber sie können eins sein. Ein Gott, ein Land, ein Traum; Friede für Mindanaw!!!)    

[xxvii] In der Erziehung Tätige, Mitarbeiter von NGOs, Studenten, kirchliche Mitarbeiter, Führungsverantwortliche in Gemeinschaften und auf religiöser Ebene einschließlich Bischöfe und ulamahaben an diesen Friedenskultur-Seminaren teilgenommen. Die Seminare bestehen aus drei Blöcken: Im ersten werden in einer geschichtlichen Rückschau die gemeinsamen Wurzeln der drei Völker Mindanaos nachgezeichnet und die Ursachen von Vorurteilen benannt. Im Mittelpunkt des zweiten Blocks stehen Konfliktsituationen und Mittel zu deren friedlicher Beilegung. Im dritten Block wird vertieft auf das Verständnis der Menschen hinsichtlich der Friedenskultur und deren Förderung eingegangen. 

[xxviii] William LaRousse, Walking Together: Seeking Peace: The Local Church of Mindanao-Sulu Journeying in Dialogue with the Muslim Community (1965-2000) (Quezon City: Claretian, 2001), 412. 

[xxix]  [xxix]Siehe die Studie, die Rosalita Tolibas-Nuñez unter Muslimen und Christen in General Santos City erstellt hat, sowie die Studie von Hilarion Gomez in Lanao del Sur und Lanao del Norte, aus welcher hervorgeht, dass mehr Hoffnung besteht, die Haltung der Muslime hinsichtlich der nationalen Einheit zu ändern, denn als die Sichtweise der Christen zu ändern, die eine weitgehend negative Einstellung zu den Muslimen besitzen. Tolibas-Nuñez, Roots of Conflict, 79-81 und Hilarion Gomez, "A Christian Approach to Filipino Muslims," Church and Community10, no. 4 (July-August 1970): 13-22 zitiert von Tolibas-Nuñez, Roots of Conflict, 38.     


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