Im
Mittelpunkt meiner Rede stehen die Inseln Mindanao und Sulu im
südlichen Teil der Philippinen. Vor der Ankunft der spanischen
Siedler im 16. Jahrhundert wurde der Archipel von islamisierten
Stämmen, nichtmuslimischen Stammesgemeinschaften (Lumad)und
indigenen Völkern aus dem nördlichen und östlichen Mindanao,
die cebuano sprachen,
bevölkert. Heute werden die cebuano-Sprecher
ethnisch mit den christlichen Migranten gleichgesetzt, die sich
seit dem frühen 20. Jahrhundert auf den Inseln niedergelassen
haben. Die Ankunft christlicher Migranten von Luzon
und Visayas führte auf Mindanao zu dramatischen Veränderungen in
der Bevölkerungsstruktur. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren
30 % der Bevölkerung Muslime, 20 % Lumad und 50 %
Christen.[i]Im
Jahre 1990 stellten die Christen bereits 75 % der
Bevölkerung.[ii]Der
Migrantenzustrom führte zur Ausbeutung und Marginalisierung von
Muslimen und indigenen Völkern. Daraus resultierten wiederum
gesellschaftliche Unruhen, der Aufstand der Moro-Bewegung in den
70er Jahren und der Bürgerkrieg von 2000. Die Konflikte führten
auch zur Entstehung und Förderung von politisierter
Identität.
Ich
möchte hier das religiöse Selbstbild diskutieren, welches von den
neuen, politisch-ethnischen Identitäten gefördert wird. Darüber
hinaus möchte ich aufzeigen, inwiefern das entstehende
Mindanawon-Bewusstsein einen kreativen Versuch darstellt, die
religiöse und soziale Trennlinie zu überwinden.
Mindanao: Land der – noch
unerfüllten – Verheißung
Eine
wesentliche Ursache für den Anstieg der Migration nach Mindanao im
frühen 20. Jahrhundert waren die Siedlungsprogramme der Regierung.
Nach 1935 verfolgte die US-amerikanische Kolonialverwaltung zwei
Ziele: einerseits sich Zugang zu den Ressourcen von Mindanao zu
verschaffen und andererseits sowohl die Muslime als auch die
Stammesgruppen zu 'zivilisieren'. In den 50er und 60er Jahren
förderte die philippinische Regierung weiterhin die Einwanderung
von Bauern ohne Landbesitz von Luzon und Visayas sowie von
früheren Huk-Rebellen.
Daneben wurden auch US-amerikanische, japanische und philippinische
Handelsgesellschaften auf der Insel ansässig, um dort
landwirtschaftliche Plantagen zu errichten. Anfang der 60er Jahre
kamen wöchentlich rund 3.200 Migranten auf die
Insel.
Wie
auch in anderen Einwanderungsgesellschaften sammelten sich die
Migranten entsprechend der ethnischen Gruppe, der sie angehörten.
Entwicklungsbemühungen konzentrierten sich auf Mindanao auf die
hauptsächlich von Christen bewohnten Gebiete. Häufig wurde Muslimen
und Stammesangehörigen, mitunter sogar Siedlern aus der
Vorkriegszeit, von den neuen Einwanderern ihr eigener Grund und
Boden weggenommen. Das "Land der Verheißung" entpuppte sich als
"Wilder Westen", wo wirtschaftliche und politische Machthaber sich
selbst schützten, indem sie Privatarmeen gründeten oder jene Teile
von Polizei und Militär bestachen, mit denen sie sich ethnisch
identifizieren konnten. Die verarmten Muslime und andere, die im
Kampf um Land und Lebensunterhalt nicht mit den übrigen mithalten
konnten, wurden zu Banditen oder schlossen sich kommunistischen
Rebellen oder fanatischen, religiös-inspirierten Gruppierungen
an.
Die
Ursachen für die Konflikte auf Mindanao sind auf verschiedenen
Ebenen angesiedelt. Auf wirtschaftlicher Ebene herrscht ein Kampf
um die knappen Ressourcen; er kommt in den Fällen von
unrechtmäßiger Landaneignung und in den Bestrebungen um die
Rückerlangung landwirtschaftlichen Bodens von eingewanderten
Siedlern zum Ausdruck. Auf politischer Ebene stehen die
Vernachlässigung der misslichen Lage von Muslimen und indigenen
Stammesvölkern durch die Regierung, sowie Uneinigkeiten unter den
Muslimen selbst. Schließlich sind auf soziopsychologischer Ebene
interethnischer Chauvinismus und die Furcht vor Eliminierung oder
Völkermord anzutreffen.
Die
Situation wird von den Medien und einigen politischen Gruppen
häufig als Konflikt zwischen Muslimen und Christen beschrieben. Die
Konfliktparteien – sowohl Immigranten und Muslime als
auch indigene Stämme – gehören jedoch verschiedenen
ethnisch-linguistischen Gruppen an und haben nur sehr wenig Sinn
für gemeinschaftsbezogene Identität.[iii]Eine
derartige religiöse Etikettierung ignoriert außerdem die Existenz
und Situation der nichtmuslimischen indigenen
Stämme.
In der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden bei den
marginalisierten Gruppen auf Mindanao jedoch neue, politisierte
Identitäten. Diese sind Ausdruck deren gestärkten
Gemeinschaftsbewusstseins hinsichtlich gewisser politischer Ziele.
Durch die neuen, widerständigen Identitäten und deren Diskurse
wurde außerdem direkt oder indirekt ein gewisses religiöses
Selbstverständnis gefördert; auch wurde die Religion in
unterschiedlicher Intensität als Kulturmarker
benutzt.
Die politisch-ethnischen Identitäten der Moro und Lumad und der
wandel im religiösen Selbstverständnis
In der
Anthropologie wird auch heute noch die Ethnizität zur Beschreibung
gesellschaftlicher Gruppen mit einer gemeinsamen Kultur verwendet.
In Abhängigkeit davon, was als Symbol für die gemeinsame kulturelle
Praxis angesehen wird, kann sie sowohl auf der Grundlage von
Sprache und Religion als auch von Nationalität definiert
werden.
In der
Forschung, die sich mit den Bereichen Ethnizität und ethnische
Konflikte befasst, gibt es drei Hauptansätze, die uns als
Hintergrund für die Analyse der entstehenden ethnischen Identitäten
auf Mindanao dienen können: das primordialistische, das
instrumentalistische und das gesellschaftskonstruktivistische
Modell.[iv]Der
primordialistische Ansatz setzt Ethnizität als festes
Charakteristikum voraus, das in einem Sinn für Verwandtschaft als
Grad von Bezogenheit seine Wurzeln hat. Ausgangspunkt ist der
Glaube an eine gemeinsame Abstammung oder genetische Quelle. Diese
Sichtweise kann die Entstehung neuer, gewandelter Identitäten nicht
erklären und betrachtet ethnische Unterschiede als inhärent
konfliktuell.
Der
instrumentalistische Ansatz betrachtet Ethnizität als ein reines
Mittel, das von Individuen, Gruppen oder Eliten zur Erreichung
politischer Ziele oder Vorteile eingesetzt wird. Er unterscheidet
sich daher nicht wesentlich von politischer Zugehörigkeit. Kritiker
dieser Sichtweise mögen zu Recht darauf verweisen, dass weder
Individuen noch Gruppen vermögen, über ihre eigene Ethnizität ganz
und gar selbst zu entscheiden. Die Ausbildung einer neuen
ethnischen Identität geschieht eher im Wechselspiel mit den
Prozessen, die in der gesamten Gesellschaft
ablaufen.
Beim
konstruktionistischen Ansatz, der in der Wissenschaft allgemein
Konsens findet, wird davon ausgegangen, dass ethnische Gruppen
weder starr noch völlig flexibel sind. Sie sind "gedachte
Gemeinschaften", d. h. Produkt eines soziohistorischen
Phänomens.[v]Ethnische
Identitäten sind keine festen Gebilde, die nur darauf warten, dass
wir sie enthüllen. Vielmehr verändern sie sich so, wie sich auch
das Sprechen über ethnische Beziehungen verändert. In diesem
Zusammenhang spielt eine rationale, gezielte Wahlentscheidung von
Individuen oder Gruppen immer noch eine Rolle, jedoch nicht
unabhängig von ihrer Interaktion mit den gesellschaftlichen
Systemen. Es ist Aufgabe von "Mythenmachern", eine Vorstellung von
Gemeinschaft in der neuen Ethnie zu prägen.
Auf der
Grundlage einer konstruktionistischen Perspektive wollen wir nun
die neuen politisch-ethnischen Identitäten diskutieren, die auf
Mindanao geprägt werden, sowie das im Wandel befindliche religiöse
Selbstverständnis der Völker, insofern Religion in die Diskurse
über Ethnizität einbezogen wird.
Die
Moro/Bangsamoro-Identität
Wie
bereits angemerkt, stellten die islamisierten Stämme auf den
Philippinen vor Ende der 60er Jahre keine einheitliche Gruppe
dar.[vi]Über
dreihundert Jahre hinweg bekämpften sie als separate Sultanate die
Spanier, und wie auch im übrigen Südostasien bekämpften auch die
Sultanate einander. Der Begriff "Bangsamoro" heißt wörtlich
übersetzt "Nation" (bangsa) und ist
eine Erfindung des späten 20. Jahrhunderts. Er bezeichnet eine
Gruppe von Menschen mit deren Territorium.
Die Art
und Weise, in der die Moro ihre religiöse und ethnische Identität
geltend machen, ist von zwei grundlegenden Trends gekennzeichnet:
dem modernistischen und dem fundamentalistischen.[vii]Der
modernistische setzt sich in erster Linie für eine Rekonstruktion
des Islam zur Anpassung an die heutigen Bedürfnisse ein; der
fundamentalistische versucht dahingegen, "ewige islamische
Wahrheiten" auf die gegenwärtige Situation
anzuwenden.
Der
modernistische Trend
Die
Modernisten betrachten eine Ablösung oder Unabhängigkeit vom
philippinischen Staat nicht als integralen Bestandteil der
Bewahrung der islamischen religiösen Identität. Sie lehnen das alte
feudale datu- und sultan-System
ab, welches in der vorkolonialen Zeit die traditionelle
Führungsstruktur darstellte und in einigen muslimischen
Gemeinschaften auf den Philippinen aufrecht erhalten wurde. Die
Modernisten sind von der Notwendigkeit überzeugt, "Gott in dieser
modernen Zeit Gott sein zu lassen" und demonstrieren ihre Offenheit
zur Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Traditionen des
Glaubens an den einen Gott.
Ein
Teil der Modernisten hält es für möglich, im heutigen Rechtssystem
der Philippinen Reformen voranzutreiben, Respekt für die
islamischen Gesetze einzuführen und somit die muslimische Identität
aufrecht zu erhalten. Ein anderer Teil der Modernisten, vertreten
durch die Nationale Befreiungsfront der Moro (MNLF) plädiert für
einen Autonomiestatus der Bangsamoro in einer föderalen
Republik.[viii]
Der
fundamentalistische Trend
Die
fundamentalistischen Muslime können ebenfalls in zwei Gruppen
eingeteilt werden: in die "Erneuerungs-" und die radikalen
Fundamentalisten. Erstere befürworten eine enge Orientierung am
Islamischen Gesetz und eine Wiedereinführung des datu- und sultan-Regierungssystems.
Die Bangsa Moro-Befreiungsorganisation (BMLO), die von
einigen datus und sultans von
Mindanao gegründet wurde, steht für dieses Streben, die glorreiche
Vergangenheit wiederaufleben zu lassen. Die BMLO hat sich die
Gründung eines Bangsamoro-Staates (einer islamischen Regierung) auf
dem ursprünglichen Land der Moro zum Ziel gesetzt. Die politische
Führung soll aus datus gebildet
werden und dem Islamischen Recht unterliegen. Die
radikalen Fundamentalisten werden durch die Islamische
Moro-Befreiungsfront (MILF) vertreten. Sie unterscheiden sich darin
von den "Erneuerungs"-Fundamentalisten, dass sie eine Rückkehr
zum datu-System
und zum Sultanat als unislamisch ablehnen. Die MILF spricht sich
für eine strikte Orientierung am Koran und der Sunna (Gesamtheit
des traditionellen Islamischen Gesetzes) aus. Sie schlägt eine
Wiederbelebung dessen vor, was sie als die "authentischen Wurzeln"
des Islam betrachtetund
stellt sich für die Moro einen Islamischen Staat unter der
ausschließlichen Herrschaft Gottes vor. Die MILF
ist eine religiöse Bewegung. Sie betrachtet die volle
Unabhängigkeit der Bangsamoro-Muslime als unantastbar, weil sie
davon ausgeht, dass nur in einem islamischen Staat die im Koran
niedergelegte Lehre der Gottesverehrung und des rechten Verhaltens
verwirklicht werden kann.[ix]Salamat
Hashim, der Gründer der MILF, hält jede Verwestlichung des Islam
für einen Widerspruch zum Koran und zur Sunna und betrachtet die
modernistischen Muslime als "ungläubig" und
"islamunkundig".
Um eine
Loslösung vom philippinischen Staat voranzutreiben, hat die MILF
Mythen vorgebracht, mit denen die Existenz eines "ganz anderen und
völlig separaten" Volkes in typisch [x]primordialistischer
Herangehensweise gestützt werden sollte. Einer dieser Mythen ist
Hashims Behauptung, die Nation der bangsamoro habe
schon vor der Gründung des philippinischen Staates bestanden und
schließe auch nichtmuslimische indigene Völker ein. Deren
ursprüngliches Heimatland bestehe aus dem gesamten
Mindanao-Archipel. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um eine
Projektion des Begriffes "bangsamoro" auf die Philippinen vor der
Zeit der Kolonisierung. Bangsamoro hat als Ethnizität weder in
vorkolonialer noch kolonialer oder gar nachkolonialer Zeit
existiert. Es handelt sich hierbei lediglich um ein Konstrukt des
ausgehenden 20. Jahrhunderts.[xi]
Ein
weiterer Mythos ist die Behauptung, die Muslime seien niemals
unterworfen worden – weder von den Spaniern noch von den
Amerikanern, und das Bangsamoro-Heimatland sei unrechtmäßig an den
philippinischen Staat angegliedert worden, als dieser die
Unabhängigkeit erlangt hatte. Zwar kann man dies als symbolischen
Ausdruck des fortwährenden Widerstandes der Muslime gegen die
Kolonisierung durch die Spanier und Amerikaner verstehen, jedoch
würde ein solches Verständnis nicht genau den historischen
Tatsachen entsprechen.Im
Jahre 1878 unterzeichnete Sultan Jama ul-Azam von Sulu einen
Friedensvertrag mit der spanischen Regierung, in dem er seine
Untergebenen dem spanischen König unterstellte, gleichzeitig jedoch
die Autonomie Sulus sicherte. Der Datu Utto von Cotabato
kapitulierte ebenfalls vor den Spaniern (1887) und unterwarf sich
der Herrschaft des Königs von Spanien.[xii]Und
gemeinsam mit den Lumad und Christen wurden die Muslime von den
Amerikanern kolonisiert.
In
ihrem Streben nach einer Rückkehr zu den "islamischen Wurzeln"
lehnten die radikalen Fundamentalisten einige religiöse Rituale und
beliebte kulturelle Bräuche der Muslime ab.[xiii]So
lehnen sie beispielsweise die traditionellen Bestattungsrituale ab,
bei denen Gebete, die Verwendung von Weihrauch sowie rituelle
Waschungen am Begräbnisort zum traditionellen islamischen
Beerdigungsritus hinzugefügt wurden. Von den ustadzes (islamischen
Lehrern) werden sie eher als Verfälschungen denn als Inkulturation
islamischer Praxis angesehen.
Das
Bedürfnis nach Kontrolle des Verhaltens von Frauen findet auch in
einigen jener Reformen seinen Niederschlag, die von
den ustadzesbefürwortet
werden. So beispielsweise das Verbot von Not-Heiraten (wenn die
Frau bereits schwanger ist), das dayunday(ein
Gesangsduell, bei dem ein Mann und ein oder zwei Frauen aus dem
Stegreif romantische Schlagfertigkeiten austauschen) und andere
Formen der Unterhaltung.[xiv]Gegen
Ende der Moro-Rebellion in den 70er Jahren und nach Beginn der
Waffenruhe treiben nicht selten Leichen von Frauen in Flüssen,
welche aus "befreiten" Gebieten kommen. Die Leute glauben, dass
diese Leichen die Körper von Frauen sind, die von den Gerichten der
Rebellen für verbotene sexuelle Beziehungen bestraft worden sind.
Die Nachricht von diesen Ereignissen wird von den gewöhnlichen
Muslimen mit Besorgnis aufgenommen. Aber die MILF-Gerichtshöfe
haben die Sharia nicht
im strengen Sinne eingeführt, denn sie gehen davon aus, dass die
örtlichen Muslime keine echten Muslime sind und deshalb noch nicht
den strengeren islamischen Strafen unterworfen
sind.
Die
gewöhnlichen Muslime haben sich gegen diese Versuche der
islamischen Führer, ihnen ihr Verständnis des Islam
aufzuoktroyieren, vorsichtig, aber mit Nachdruck zur Wehr gesetzt,
gleichzeitig aber weiterhin den bewaffneten Kampf unterstützt.
Die imam von
Gemeinschaften vermitteln zwischen den Gemeinschaften und
den ustadzes. So
unterstreichen sie beispielsweise die Notwendigkeit, das
Unislamische vom Antiislamischen zu unterscheiden. Traditionelle
Rituale sind nicht zwangsläufig antiislamisch. Die Imam impfen den
Gemeinschaften ein, diese müssten die Lehre des Koran befolgen,
nicht aber die kulturellen Praktiken des Nahen Ostens, und die
jungen ustadzesseien
nicht dazu fähig, zwischen Islamisierung und Arabisierung zu
unterscheiden.
Die
Identität der Lumad und die Wiederanerkennung einer indigenen,
religiös-kulturellen Weltsicht[xv]
Ebenso
wie die islamisierten Stämme haben auch die indigenen Völker von
Mindanao bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein kein
gemeinschaftliches Bewusstsein entwickelt. Der Sammelbegriff
"Lumad" ist eine Selbstbezeichnung, die lediglich aus den letzten
15 Jahren datiert. In der Vergangenheit wurden die Lumad von
Außenstehenden auf verschiedenerlei Weise bezeichnet
(z. B. paganos,
"wilde Stämme", "Stammesminderheiten", "indigene kulturelle
Gemeinschaften" usw.). Der Begriff "Lumad" ist heute ein
Akronym[xvi]mit
der Bedeutung "Indigene Allianz für Demokratie".
"Lumad"
ist eine politisierte Identität, die von Mitgliedern und
Befürwortergruppen von Lumad-Mindanao, einer Koalition aus lokalen
und regionalen Gesamt-Lumad-Gruppen, konstruiert worden ist und
propagiert wird. Diese Koalition setzt sich für die folgenden Ziele
ein: 1) den Schutz der Identität und der Rechte der Lumad; 2) den
Schutz des von den Vorfahren ererbten Gebietes; 3) die Bewahrung
des kulturellen Erbes der Lumad.
Die
Lumad-Identität entstand im Kontext eines stärker gewordenen
Bewusstseins der verschiedenen Stammesgruppen für ihre gemeinsame
missliche Lage und ihre gemeinsamen Wünsche und Sehnsüchte. Ihre
Geburtsstunde fiel in die Zeit der Diktatur Marcos im Kontext der
Landaneignung durch Migranten, des Eindringens multinationaler
Konzerne in ihren angestammten Bereich, der Armut, Militarisierung
und Vernachlässigung durch die Politik. Dazu, dass die MILF die
Lumad in die Bangsamoro-Identität einschloss, erklärte der
Generalsekretär von Lumad-Mindanao mit deutlichen Worten, die Lumad
betrachteten sich selbst nicht als Bangsa Moro noch erhöben sie
Anspruch auf Gebiete, in denen Muslime die Mehrheit stellen;
vielmehr sei das übrige Mindanao von alters her ihr von den
Vorfahren ererbtes Eigentum.
Wegen
der starken Präsenz von Einwanderern stellen die Lumad heute in
lediglich neun Städten die Mehrheit, obgleich sie früher doch
Gebiete besiedelten, auf denen sich heute 17 Provinzen und 14
Städte befinden. Nachdem sie viele Jahre lang als unabhängige
Gemeinschaften – mitunter sogar im Konflikt
miteinander – gelebt hatten, begriffen die Lumad-Stämme
allmählich, dass ihr Überleben davon abhängt, dass es ihnen
gelingt, als Einheit, d. h. als Lumad, geeint zu sein. Von der
Regierung fordern sie die Anerkennung ihrer gemeinschaftlichen
Eigentümerschaft bezüglich von Stammesgebieten und ihres Rechtes
auf Leitung ihrer Gemeinschaft entsprechend den Stammesgesetzen. Es
gelang ihnen, in die Verfassung von 1987 Bestimmungen einfügen zu
lassen, die diesem Ideal nahe kommen.[xvii]
An
dieser Stelle sei betont, dass römisch-katholische und
protestantische Führungsverantwortliche die Lumad bei ihrer
Selbstorganisation maßgeblich unterstützt haben. Auf der ersten
Vollversammlung derLumad
Mindanao im Jahre 1983 stellten Kirchenleute die Mehrheit
derjenigen, die an der Organisation der Lumad mitwirkten. Als Teil
der KADUMA-Lumad (was heißt: "in Partnerschaft mit den Lumad")
tragen sie auch weiterhin helfend zur Identitätsentwicklung der
Lumad bei.
Erstmalig
in ihrer Art war eine vom Bishops-Ulama
Forum (BUF)
im Jahre 1997 organisierte Konferenz, bei der ein Dialog zwischen
Lumad und Christen stattfand.[xviii]Erzbischof
Fernando Capalla bat um Vergebung für das durch die Kirche an den
Lumad begangene Unrecht, was die Lumad dankbar aufnahmen. Die
Konferenz endete mit dem Entschluss der Christen, die
Glaubensüberzeugungen der Lumad zu respektieren und an den
Seminaren zu lehren. Es bleibt zu hoffen, dass dies zur
Verhinderung von Handlungen beiträgt, die das Humanisierende an der
Lumad-Kultur zerstören könnten. Die Lumad ihrerseits gelobten,
Anstrengungen zu unternehmen, um ihre untergehende Kultur
wiederzubeleben und ihre Umwelt wie auch ihre Gemeinschaften zu
schützen. Weiterhin hat die BUF, um ihr Verständnis des
Glaubenssystems der Lumad zu vertiefen, auch finanzielle Mittel zur
Förderung eines Projekts, nämlich einer Reihe von
Forschungsworkshops für Diözesanpersonal (Lumad und nicht-Lumad)
auf Mindanao zum Thema der Weltsicht und Glaubensüberzeugungen der
Lumad zur Verfügung gestellt.
Vom Begriff der "Drei Völker"
[xix]
hin zu einer Mindanawon-Identität Marginalisierte
Gruppen mögen ein berechtigtes Bedürfnis danach verspüren, ihre
Identität geltend zu machen. Darüber hinaus ist es jedoch auch
nötig, der soziopolitischen Vorstellungskraft in der jeweiligen
Region neue Nahrung zu geben, damit diese die soziale und religiöse
Trennlinie zu überwinden vermag. Einige
Theoretiker haben auf die Notwendigkeit verwiesen, Begriffe wie
"separate Geschichte, unterschiedliche Identitäten" zu verwerfen
oderzumindest
auch die Kehrseite der Medaille zu betrachten, nämlich die
Verflechtung von Abstammung und kulturellen Gepflogenheiten
(z. B. die gemeinsame animistische Basis von volkstümlichem
Islam und volkstümlichem Christentum) bei den Völkern auf
Mindanao.[xx]
Auf
derselben Linie liegt eine noch sehr junge, jedoch immer mehr an
Stoßkraft gewinnende Bewegung, welche die Bewohner von Mindanao
"Mindanawon(s)" nennt. Die Völker auf Mindanao hatten diese
Bezeichnung bis dahin normalerweise nicht für sich selbst benutzt.
Der Begriff beruht auf einer geographischen Verortung als einer auf
den Philippinen üblichen Art der Identitätsdarstellung.
"Mindanawon" betont weniger die Idee von einer gegensätzlichen
Identität, als vielmehr die Vorstellung von einem miteinander
geteilten Gebiet. Das ermöglicht einen klareren Blick für das
Verbindende zwischen den Menschen, weniger für die Unterschiede
zwischen ihnen.
Das
"Mindanawon"-Bewusstsein hat seinen Ursprung in der sogenannten
"Drei Völker"-Perspektive, d. h. dass Mindanao die Heimat
dreier Volksgruppen ist: der Lumad, der Moro und der
Christen.[xxi]Historisch
gesehen sollte der Begriff "Drei Völker" ein gesteigertes
Bewusstsein für und eine größere Wertschätzung der Lumad-Völker und
–kultur durch die Christen und Moro bewirken. Die Lumad waren nicht
nur Opfer der Landaneignung durch migrierende Christen, sondern sie
wurden auch von den Moro versklavt. Der Begriff "Drei Völker"
sollte den gegenwärtig drei Volksgruppen auf Mindanao gleichermaßen
viel Anerkennung schenken – unabhängig von ihrem Anteil
an der Gesamtbevölkerung.[xxii]Auch
andere gesellschaftliche Gruppen wie z. B. kirchliche
Institutionen übernahmen schließlich das dem Begriff "Drei Völker"
zugrunde liegende Denkraster.
Heute
verfeinert die Mindanao-Koalition von Entwicklungs-NGOs, welche
mehr als zehn Jahre lang das "Drei Völker"-Denkraster für Frieden
und Entwicklung beförderte, ihre Strategie, indem sie zur
Verwendung des Begriffs "Mindanawon" übergeht. Manche meinen, der
Begriff "Drei Völker" führe eher zu einer Spaltung als Vereinigung,
da er die Unterschiedlichkeit der drei Volksgruppen
hervorhebe.
Die
Befürworter einer Mindanawon-Identität agieren auf der Grundlage
der folgenden wesentlichen Voraussetzungen:[xxiii]Erstens
wird Mindanao als Ergebnis geschichtlicher und gesellschaftlicher
Kräfte heute von drei verschiedenen Gruppen bewohnt: von Lumad
(5 %), Muslimen (20 %) und Christen (75 %). Zweitens
kann keine dieser Gruppen Mindanao als allein ihr selbst gehörig
betrachten; vielmehr sollte Mindanao als miteinander geteiltes
Gebiet angesehen werden. Drittens können die Gruppen trotz der
kulturellen und religiösen Unterschiede sowie der ererbten
Vorurteile gegeneinander zusammenarbeiten, um aus Mindanao "ein
Haus des Friedens und der Harmonie" zu machen. Die Basis der
Einheit ist die gleichwertige, gegenseitige Akzeptanz der anderen
als unterschiedlicher Völker innerhalb ein und derselben Nation und
auf ein und demselben Staatsgebiet.[xxiv]Jene,
die das Mindanawon-Bewusstsein stärken wollen, stellen Mythen der
verschiedenen Gruppen auf Mindanao heraus. Diese Mythen erzählen
von einem gemeinsamen Ursprung, auf den ein Prozess der
Differenzierung von Völkern folgte, wovon einige in der Ebene und
einige in den Bergen leben, und aus dem wiederum eine Erklärung für
die Assimilierung fremder Elemente hervorging. Diese Mythen bringen
das Streben der Menschen sowohl nach Einheit als auch
Verschiedenheit zum Ausdruck.
Für
eine Kultur des Friedens und des Dialogs
Die
Förderung der Mindanawon-Identität auf der Basis eines "Drei
Völker"-Denkrasters erfordert die Schaffung einer Kultur des
Friedens und des Dialogs. Statt Ethnizität als selbstverständliche
Ursache von Spannung und Konflikten anzusehen, gehen die Verfechter
der Mindanawon-Identität davon aus, dass Ethnizität bei der
Schaffung einer Kultur des Friedens eine Rolle spielen
kann.[xxv] Im
Jahre 1996 schlossen sich führende Friedensbefürworter und im
Bereich der Erziehung Tätige der Lumad, Muslime und Christen zu
einer Bewegung mit dem Namen "Peace Mindanaw" (Kalinaw
Mindanaw) zusammen.
Deren Vision aus der Perspektive einer "Drei Völker"-Idee heraus
kommt in einem Friedens-Credo zum Ausdruck, welches sie bei ihrer
Zusammenkunft formulierten, für gut befanden und annahmen. Seither
wurde dieser Text in 14 Lokalsprachen übersetzt und zehnfach als
Lied vertont.[xxvi]Die
Bewegung hat außerdem auf Mindanao mehr als 50 Seminare zum Thema
"Friedenskultur" mitfinanziert und ein Modul erarbeitet, das
bereits umfassend genutzt worden ist – sogar von
Regierungsinstitutionen.[xxvii]
Hinsichtlich
der religiösen Identität betrachten die Verfechter des
Mindanawon-Bewusstseins den interreligiösen Dialog als notwendige
Grundlage für das harmonische Zusammenleben der drei Volksgruppen.
Daher fördern sie aktiv den interreligiösen Dialog, der während der
vergangenen drei Jahrzehnte auf Mindanao/Sulu gepflegt worden
ist.
In
seinem Buch Walking
Together, Seeking Peacehat Fr.
William LaRousse aufgezeigt, wie in der Katholischen Kirche auf
Mindanao/Sulu zwischen 1965 und 2000 Schritt für Schritt eine
Integrierung des interreligiösen Dialogs als integralen
Bestandteils ihrer Identität und Sendung stattgefunden hat. Vor
Beginn der 80er Jahre wurde der Begriff "Dialog" mehr mit formalen
Zusammenkünften und Verhandlungen mit der Regierung verbunden,
welche der Episkopat nicht als seine Aufgabe
betrachtete.
In den
90er Jahren fand das Thema des interreligiösen Dialogs verstärkt
Eingang in die Ortskirche.[xxviii]Dies
wurde durch folgende Ereignisse gefördert: 1) den Hirtenbrief der
Katholischen Bischofskonferenz der Philippinen (CBCP) von 1990, in
dem der Kampf der Moro um Selbstbestimmung anerkannt und für eine
friedliche Lösung des Problems plädiert wurde; gleichzeitig stellte
sich die Kirche als Partner im Friedensprozess dar; 2) die Bildung
eines Bischöflichen Ausschusses für interreligiösen Dialog; so
sollten bereits eingeleitete Bemühungen auf diözesaner Ebene weiter
gefördert und unterstützt werden; 3) die Bildung eines Ausschusses
für Nationale Einheit (NUC) durch die Regierung (1992); so wurde
eine ganze Reihe von Aktivitäten ins Leben gerufen, deren Ziel der
Dialog zwischen Muslimen und Christen sein soll und an dem die
Kirche auf Mindanao/Sulu maßgeblich beteiligt war; 4) die ZAMBASULI
(Inseln Zamboanga, Basilan und Sulu) –Friedenskonsultation von
1994, die zur Einrichtung von Referaten für interreligiösen Dialog
in den verschiedenen Diözesen führte.
Das Bishops-Ulama-Forum,
welches sich aus katholischen und protestantischen Bischöfen auf
Mindanao und aus ulama (religiösen
Führern der Muslime) der Ulama-Liga auf den Philippinen
zusammensetzt, treibt heute den interreligiösen Dialog auf Mindanao
voran. Ihre Bemühungen finden statt in der Form von Konferenzen, an
denen Imam und Priester teilnehmen, in der Form der Förderung einer
Kultur des Friedens und Dialogs in muslimischen und christlichen
Schulen sowie der Unterstützung von Bürgerinitiativen wie der
Schaffung von Friedenszonen in Kontexten eines zunehmend bewaffnet
ausgetragenen Konflikts. Angesichts
von Studien, die ein größeres Zögern von Seiten der Christen zum
Beziehungsaufbau zu Muslimen als umgekehrt belegen, stellt die
zunehmende Empfänglichkeit der Kirche von Mindanao/Sulu für das
Thema des interreligiösen Dialogs eine bedeutsame Entwicklung
dar.[xxix]Herausfordernd
sind in diesem Zusammenhang jedoch weiterhin die zeitweilig
ausbrechenden bewaffneten Konflikte, die häufig zu Bitterkeit und
Groll führen und die Menschen weniger aufgeschlossen für den Dialog
werden lassen.
Schluss Der
Zustrom von Migranten auf Mindanao insbesondere in der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts hat in der Region zu sozialer
Instabilität geführt und eine Atmosphäre entstehen lassen, die der
Entstehung von politisierten ethnischen Identitäten förderlich ist.
Mindanao ist heute eine Kampfesarena für konkurrierende
politisch-ethnische Diskurse.
Welches
religiöse Selbstbild haben sie befördert? Die
Moro/Bangsamoro-Identität hat zwei verschiedene Herangehensweisen
an die Frage nach religiöser und ethnischer Identität
vorangetrieben: die modernistische und die fundamentalistische. Die
Modernisten sind dafür offener, den Islam an sich wandelnde
Kontexte anzupassen und insbesondere Wege zu erschließen, auf denen
dies im philippinischen Staat verwirklicht werden kann.
Demgegenüber versuchen die Fundamentalisten, eine bestimmte
historische Art und Weise, den Islam zu leben, wiederherzustellen,
und sie sprechen sich für eine strenge Befolgung des islamischen
Gesetzes aus. Während die Modernisten für interreligiösen Dialog
offener sind, verbieten einige radikale Fundamentalisten den
Austausch mit Menschen anderen Glaubens, welche sie als unrein
betrachten. Sie betrachten volkstümliche Formen des Islam und
andere örtliche Gepflogenheiten eher als Verfälschungen denn als
Formen der Inkulturation des islamischen
Glaubens.
Die
Lumad erfahren aufgrund ihres gewachsenen politischen Bewusstseins
und ihrer Selbstorganisation die Herausforderung, ihre religiöse
Weltsicht und Kultur, von denen sie entfremdet worden sind,
wiederzuentdecken und neu wertzuschätzen. Die Christen haben ihnen
aktiv dabei unter die Arme gegriffen, sich zu organisieren und ihre
Traditionen wiederzufinden.
Zwar
ist die Entwicklung eines kollektiven Bewusstseins, das über
ethnisch-linguistische Gruppen hinausgeht, nötig, um die Bewahrung
der politischen und kulturellen Rechte von Muslimen und Lumad zu
sichern, jedoch müssen die Völker auf Mindanao auch die religiöse
und gesellschaftliche Trennlinie überwinden, um auf den Inseln
weiteres Blutvergießen zu verhindern. Nachdem mehr als ein
Jahrzehnt lang ein "Drei Völker"-Bewusstsein gefördert worden ist,
ist unlängst ein Netzwerk aus Friedenskämpfern zur Propagierung
einer Mindanawon-Identität übergegangen, also einer
Selbstbezeichnung, die nicht auf religiösen Markern, sondern auf
der Verbindung der Menschen zu dem Land, auf dem sie leben,
beruht.
Das
Mindanawon-Bewusstsein stellt einen kreativen Versuch der
kollektiven Vorstellung und des Aufbaus einer neuen, transzendenten
Identität dar. Der Begriff "Mindanawon" ermöglicht es der
Vorstellungskraft, nicht nur die Unterschiede, sondern auch die
Gemeinsamkeiten der drei Völker zu erforschen. Eine Überwindung des
Schlagwortes "muslimisch-christlicher Konflikt" kann den Menschen
für andere Dimensionen ihres Problems die Augen öffnen, wie
z. B. für das Eindringen multinationaler Konzerne auf Mindanao
und das Ausbeuten von lokalen Ressourcen durch dieselben, für
Bestechung und Korruption durch die Regierungsverantwortlichen
(Christen, Muslime und Lumad gleichermaßen) und für die
Klasseneinteilungen innerhalb der ethnischen Gruppen selbst. Das
Mindanawon-Bewusstsein vermeidet auch die Politisierung von
Religion als Kulturmarker, denn der Konflikt auf Mindanao kann
nicht auf religiöse Unterschiede reduziert werden. Der
interreligiöse Dialog muss weiterhin ein wichtiges Werkzeug zur
Schaffung einer Kultur des Friedens sein. Für die Verfechter von
Mindanawon ist es daher ebenfalls bedeutsam, dass der
interreligiöse Dialog in den letzten zehn Jahren stark zugenommen
hat und dass die Kirche von Mindanao/Sulu, der die meisten
Migranten und ihre Nachkommen angehören, den interreligiösen Dialog
als zentralen Bestandteil ihres Selbstverständnisses und ihrer
Sendung anerkannt hat. In diesem Zusammenhang könnte ein wichtiges
Thema für den künftigen Dialog mit dem Ziel der Entwicklung einer
Mindanawon-Identität eine Drei Völker-Theologie des Landes
sein.
Die
Entwicklung einer neuen ethnischen Identität hängt jedoch nicht
einfach davon ab, was Individuen oder eine Gruppe von
Intellektuellen vorschlagen (instrumentalistische Perspektive),
sondern wird auch auf dem Wechselspiel geschichtlicher Kräfte
(gesellschaftskonstruktionistisch) beruhen. Die
Mindanawon-Alternative ist attraktiv, jedoch mag auf jener Insel,
die einst "Land der Verheißung" genannt wurde, erst aus der
Interaktion dieses Diskurses mit den verschiedenen
gesellschaftlichen Kräften und Systemen etwas Neues Gestalt
annehmen.
. J.
May, "The Wild West in the South: A Recent Political History of
Mindanao," in: Mark Turner, R. J. May and Lulu Respall Turner,
eds., Mindanao:
Land of Unfulfilled Promise(Quezon
City: New Day, 1992), 127. [iii] Wir
sprechen hier von 13 islamisierten Stämmen, rund 18
Lumad-Gemeinschaften und Immigranten aus verschiedenen
ethnisch-linguistischen Gruppen auf Luzon und Visayas.
[v]Benedict
Anderson, Imagined
Communities: Reflections on the Origin and Spread of
Nationalism,
(London: Verso, 71996),
7. [vi] Die
Anfänge der Entwicklung einer einheitlichen muslimischen Identität
auf den Philippinen datieren aus jener Zeit (1899-1946), als die
amerikanischen Siedler als Teil ihrer Befriedungskampagne ihren
Zusammenschluss in einer "Provinz Moro" unter einer aufgeklärteren
(d. h. verwestlichten) Führung
vorantrieben. [vii] George
Decasa, The
Qur’anic Concept of Umma and its Function in Philippine Muslim
Society(Rome:
Editrice Pontificia Università Gregoriana, 1999),
379-392. [viii]
Für die
MNLF besteht das Gebiet der bangsamoro aus den
13 Provinzen von Mindanao, wie im Vertrag zwischen der MNLF und den
Philippinen von 1976 in Tripolis vereinbart. Auf diesem Gebiet
dürfen die Muslimen unter islamischem Recht ihr eigenes Gericht
abhalten. Die MNLF
setzt sich auch für einen inklusiveren Gebrauch des Begriffs
"bangsamoro" ein. Dabei sollen zu Moro auch die Nicht-Muslimen
gehören, also die Christen und Lumad, die auf dem Moro-Homeland
leben. Die MNLF betrachtet Bangsamoro als den Ort, an dem
verschiedene Religionen harmonisch nebeneinander und nach ihren
jeweiligen Gesetzen leben. [ix] Da die
Muslime auf Mindanao heute die Minderheit stellen, fordert die MILF
die völlige Unabhängigkeit von Provinzen und Stadtbezirken, in
denen Bangsamoro-Muslime die Mehrheit stellen, sowie jener Gebiete,
in denen nichtmuslimische Bangsamoro-Stämme leben. Die
Nicht-Muslime (Lumad und Christen) in den Bangsamoro-Gebieten
sollen durch dieselben Rechte geschützt werden, lediglich sollen
sie nicht Staatsoberhaupt werden können oder für die Verbreitung
islamischer Ideologie zuständig sein. A. M.
Lingga, "Salamat Hashim’s Concept of Bangsamoro State and
Government," Dansalan
Quarterly15/3-4
(1995): 57, zitiert von Decasa, The
Quranic Concept of Umma,
384.
[xi]Thomas
McKenna, Muslim
Rulers and Rebels: Everyday Politics and Armed Separatism in the
Southern Philippines(Berkeley:
University of California Press, 1998), 82-83. [xii] Rodil,
"It is Time for Mutual Affirmative Action ,"
4. [xiii]McKenna, Muslim
Rulers and Rebels,
220-226. [xv]B. R.
Rodil, "Ancestral Domain: A Central Issue in the Lumad Struggle for
Self-determination in Mindanao," in: Mindanao,
ed. Turner
et al., 233-247.
[xvi] "Lumad"
steht für Lumadnong
Alyanso Alang sa Demokrasya. [xvii] Siehe Artikel
12, Abschnitt 5 und Artikel 14, Abschnitt 17. [xviii]
Teilnehmer
waren eine kleine Gruppe Christen und 57 Lumad (Stammesführer,
religiöse Führer oder deren Stellvertreter) von elf der 18
ethnolinguistischen Gruppen der Lumad. Die Konferenz wurde vom
Bischöflichen Ausschuss für interreligiösen Dialog
gesponsort. [xix] Im
englischen Original: "tri-people" (Anm. d.
Übersetzerin). [xx]Arnold
Azurin, Beyond
the Cult of Dissidence in Southern Philippines and Wartorn Zones in
the Global Village(Quezon
City: University of the Philippines, 1996),
252-253. [xxii] Das
Dokument Mindanao
Tri-people’s Socio-Cultural Development Framework (MTSCDF)
enthält die kollektive Vision der drei Völker und ist das Ergebnis
von Konsultationen verschiedener Gruppen seit
1991. [xxiii]Rodil,
"It is Time for Mutual Affirmative Action" 2. [xxiv] Die
Bewegung hat die Vorstellung von einem philippinischen Bundesstaat,
der sich aus fünf oder sechs Staaten zusammensetzt. Einer dieser
Staaten kann der islamische Staat sein, dem die überwiegend
muslimischen Provinzen (Sulu, Tawi-tawi, Lanao del Sur, Maguindanao
und Basilan) und Stadtverwaltungen angehören. Rey
Magno Teves, "Impasse Breaker: An Islamic State within a Federal
Philippines?" Intersect(September
1999): 10-13.
[xxv] Rodil,
"It is Time for Mutual Affirmative Action,
13. [xxvi]
In der
englischen Übersetzung des Friedens-Credos heißt es: Peace
Mindanaw!!! Lumad,
Muslim, Christian, they are different, they can be one; One God,
One land, One dream; Peace Mindanaw!!! (Friede
für Mindanaw!!! Lumad, Muslime und Christen sind verschieden, aber
sie können eins sein. Ein Gott, ein Land, ein Traum; Friede für
Mindanaw!!!)
[xxvii] In
der Erziehung Tätige, Mitarbeiter von NGOs, Studenten, kirchliche
Mitarbeiter, Führungsverantwortliche in Gemeinschaften und auf
religiöser Ebene einschließlich Bischöfe und ulamahaben
an diesen Friedenskultur-Seminaren teilgenommen. Die Seminare
bestehen aus drei Blöcken: Im ersten werden in einer
geschichtlichen Rückschau die gemeinsamen Wurzeln der drei Völker
Mindanaos nachgezeichnet und die Ursachen von Vorurteilen benannt.
Im Mittelpunkt des zweiten Blocks stehen Konfliktsituationen und
Mittel zu deren friedlicher Beilegung. Im dritten Block wird
vertieft auf das Verständnis der Menschen hinsichtlich der
Friedenskultur und deren Förderung
eingegangen. [xxviii] William
LaRousse, Walking
Together: Seeking Peace: The Local Church of Mindanao-Sulu
Journeying in Dialogue with the Muslim Community
(1965-2000) (Quezon
City: Claretian, 2001),
412. [xxix]Siehe
die Studie, die Rosalita Tolibas-Nuñez unter Muslimen und Christen
in General Santos City erstellt hat, sowie die Studie von Hilarion
Gomez in Lanao del Sur und Lanao del Norte, aus welcher hervorgeht,
dass mehr Hoffnung besteht, die Haltung der Muslime hinsichtlich
der nationalen Einheit zu ändern, denn als die Sichtweise der
Christen zu ändern, die eine weitgehend negative Einstellung zu den
Muslimen besitzen. Tolibas-Nuñez, Roots
of Conflict, 79-81
und Hilarion Gomez, "A Christian Approach to Filipino
Muslims," Church
and Community10, no.
4 (July-August 1970): 13-22 zitiert von Tolibas-Nuñez, Roots
of Conflict,
38.
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