Sehr geehrte Damen und Herren!
Sie
haben mich zur zweiten Verleihung des Wissenschaftspreises des
Missionswissenschaftlichen Instituts zum Thema „Migration und
religiöse Identität“ eingeladen. Dazu sage ich meinen herzlichen
Dank!
Dieses
Thema ist höchst aktuell. Noch nie waren in der Geschichte der
Menschheit so viele Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen,
um in der Fremde Schutz oder Arbeit auf dem globalen Markt zu
suchen. Papst Johannes Paul II. schreibt in seiner Botschaft zum
89. Welttag der Migranten und Flüchtlinge 2003: “In der heutigen
Welt ist Migration zu einem weit verbreiteten Phänomen geworden,
das alle Nationen entweder als Herkunfts-, Durchgangs- oder
Aufnahmeland berührt. Es betrifft Millionen von Menschen und stellt
eine Herausforderung dar, der sich die pilgernde Kirche im Dienst
an der gesamten menschlichen Familie stellen und der sie im
evangeliums-gemäßen Geist umfassender Nächstenliebe begegnen
muss.“
Das
Thema Ihrer Preisverleihung richtet den Blick darauf, wie sich die
religiöse Identität in dem Zusammentreffen von den Immigranten und
den einheimischen Menschen in den aufnehmenden Ländern entwickelt.
Das gemeinsame Wort der Kirchen in Deutschland zu den
Herausforderungen durch Migration und Flucht von 1997 „... und der
Fremdling, der in deinen Toren ist“ (hrsg. vom Sekretariat der
Deutschen Bischofskonferenz, Gemeinsame Texte Nr. 14) sagt dazu:
„Die Migration schaffi täglich Begegnungen interkultureller und
interreligiöser Art. Im Blick auf den gesellschaftlichen Frieden
ist ein Dialog der christlichen Kirchen mit allen großen
Religionen und Kulturen unerlässlich. Unabhängig von
unterschiedlichen theologischen Sichtweisen tragen die großen
Religionsgemeinschaften heute alle Verantwortung für
eine gemeinsame
Zukunft in dieser gefährdeten Welt“ (Nr. 236). „Der interreligiöse
Dialog bleibt dabei zum einen an die Grundwahrheiten des eigenen
Glaubens gebunden, zum anderen ist er dem Respekt vor dem Glauben
und der Freiheit des anderen verpflichtet“ (Nr. 229). Das große
Weltfriedenstreffen der Religionen im vergangenen September in
Aachen hat diesem großen Auftrag zum interreligiösen Dialog dienen
wollen. Begegnung mit fremden Menschen erfordert immer ein
Sich-Besinnen auf eigene Wurzeln und ein gastfreundliches
Sich-Öffnen.
Ich
gratuliere herzlich der Preisträgerin Frau Agnes Brazal und wünsche
Ihnen allen, dass Ihre Arbeit gute Frucht bringt.
Ihr

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