1540 wurden die Mapuche, die den Süden Chiles bevölkern, zum ersten Mal von Europäern in der Person von Pedro de Valdivia wahrgenommen. Die Spanier nannten sie Araukaner. Sie lebten in dem Gebiet zwischen dem Aconcagua-Fluß in der Zentralregion und Chiloé
im Süden. Die Mapuche gliedern sich in miteinander verwandte Gruppen: die Pehuenche in den Kordilleren, (von pehuén oder Araukarie, dem heiligen Baum der Mapuche); die Huilliches in den Tälern von Valdivia und auf der Insel Chiloé; die
Lafquenches oder sogenannten Meermenschen an der Küste. Fremde sind für die Radikaleren unter den Mapuche noch heute alle nicht indigenen Chilenen (auch die Mestizen), sowie die Europäer und ihre
Abkömmlinge. Gegen sie, gleich ob sie von außen kamen oder unter ihnen lebten, haben die Mapuche stets gekämpft, um ihre Bräuche, Traditionen und Glaubensvorstellungen zu bewahren, sowie das Recht auf das Land, das seit jeher ihnen
gehörte. Ramón Curivil, unserer Ansprechpartner, hat sich ganz diesen Indio-Gruppen gewidmet. Er ist Professor an der katholischen Universität Raúl Silva Henríquez
in Santiago de Chile und gleichzeitig verantwortlich für ein Radioprogramm in der Mapuche-Sprache. Für ihn bildet die Religion das Rückgrat der Mapuche-Gesellschaft, denn die Riten und religiösen Zeremonien werden traditionell von
denjenigen durchgeführt, die auch Entscheidungsträger im alltäglichen Leben der Gruppe sind. Für die Mapuche ist die Religion (feyentun) ein dynamisches System von Riten, Anschauungen, Kunst, Musik, Werten, das das ganze Leben
prägt. Dieses System hat sich in seiner Dynamik an den christlichen Glauben, den die Mapuche winka nennen, angepasst und ist in seiner reinen ursprünglichen Form nicht mehr
vorhanden. Die aktuelle Mischform ist aber weniger harmonisch als auf den ersten Blick wahrgenommen. Etliche Auseinandersetzungen sowohl in der chilenischen Gesellschaft als auch in der Kirche
sind auf eine latente Identitätskrise dieser Völkergruppen zurückzuführen. R. Curivil ist der Überzeugung, dass ein Weg der Konfliktlösung über die Erforschung der traditionellen Glaubenswelt der Mapuche geht. Denn nur
wer sich seiner Wurzel bewusst ist, kann in Frieden mit sich selbst leben. Sein Forschungsprojekt sieht zwei Schritte vor: zunächst die Untersuchung der traditionellen Weisheit, dann die Analyse der traditionellen religiösen Weltanschauung. Die
notwendigen Daten werden von seinem Team im Rahmen von Interviews gesammelt und interdisziplinär ausgewertet. Denn die Erkenntnisse aus der Ethnosoziologie und der Linguistik müssen herangezogen werden, um das Bild eines nicht mehr existierenden
reinen Systems erarbeiten zu können. Die erste Phase wird ein Jahr beanspruchen: Unsere Hilfe soll 6 000 ¬
betragen. Für die zweite Phase sind 8 Monate vorgesehen und wir möchten sie mit 4 000 ¬ unterstützen. |