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Traditionelle Weisheit der Mapuche
Projektnummer Projektsumme
E 213.000-03/001 4 000 € und 6 000 €
Projektbeschreibung

1540 wurden die Mapuche, die den  Süden Chiles bevölkern,  zum ersten Mal von Europäern in der Person von Pedro de Valdivia wahrgenommen. Die Spanier nannten sie Araukaner. Sie lebten in dem Gebiet zwischen dem Aconcagua-Fluß in der Zentralregion und Chiloé im Süden. Die Mapuche gliedern sich in miteinander verwandte Gruppen: die Pehuenche in den Kordilleren, (von pehuén oder Araukarie, dem heiligen Baum der Mapuche); die Huilliches in den Tälern von Valdivia und auf der Insel Chiloé; die Lafquenches oder sogenannten Meermenschen an der Küste.

Fremde sind für die Radikaleren unter den Mapuche noch heute alle nicht indigenen Chilenen (auch die Mestizen), sowie die Europäer und ihre Abkömmlinge. Gegen sie, gleich ob sie von außen kamen oder unter ihnen lebten, haben die Mapuche stets gekämpft, um ihre Bräuche, Traditionen und Glaubensvorstellungen zu bewahren, sowie das Recht auf das Land, das seit jeher ihnen gehörte.

Ramón Curivil, unserer Ansprechpartner, hat sich ganz diesen Indio-Gruppen gewidmet. Er ist Professor an der katholischen Universität Raúl Silva Henríquez in Santiago de Chile und gleichzeitig verantwortlich für ein Radioprogramm in der Mapuche-Sprache. Für ihn bildet die Religion das Rückgrat der Mapuche-Gesellschaft, denn die Riten und religiösen Zeremonien werden traditionell von denjenigen durchgeführt, die auch Entscheidungsträger im alltäglichen Leben der Gruppe sind. Für die Mapuche ist die Religion (feyentun) ein dynamisches System von Riten, Anschauungen, Kunst, Musik, Werten, das das ganze Leben prägt.

Dieses System hat sich in seiner Dynamik an den christlichen Glauben, den die Mapuche winka nennen, angepasst und ist in seiner reinen ursprünglichen Form nicht mehr vorhanden.

Die aktuelle Mischform ist aber weniger harmonisch als auf den ersten Blick wahrgenommen. Etliche Auseinandersetzungen sowohl in der chilenischen Gesellschaft als auch in der Kirche sind auf eine latente Identitätskrise dieser Völkergruppen zurückzuführen. R. Curivil ist der Überzeugung, dass ein Weg der Konfliktlösung über die Erforschung der traditionellen Glaubenswelt der Mapuche geht. Denn nur wer sich seiner Wurzel bewusst ist, kann in Frieden mit sich selbst leben. Sein Forschungsprojekt sieht zwei Schritte vor: zunächst die Untersuchung der traditionellen Weisheit, dann die Analyse der traditionellen religiösen Weltanschauung. Die notwendigen Daten werden von seinem Team im Rahmen von Interviews gesammelt und interdisziplinär ausgewertet. Denn die Erkenntnisse aus der Ethnosoziologie und der Linguistik müssen herangezogen werden, um das Bild eines nicht mehr existierenden reinen Systems erarbeiten zu können.

Die erste Phase wird ein Jahr beanspruchen: Unsere Hilfe soll 6 000 ¬ betragen. Für die zweite Phase sind 8 Monate vorgesehen und wir möchten sie mit 4 000 ¬ unterstützen.