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15.08.2003: "Mission schafft Frieden, keine Konflikte"
Stellungnahme von MWI Präsident Pater Dr. Hermann Schalück ofm zu der Forderung des Theologen Perry Schmidt-Leukel, "Missionierung aufzugeben".


Die Aufgabe des Missionsgedankens als Voraussetzung für die Überwindung des Konfliktpotenzials zwischen den Religionen, wie es der Theologe Perry Schmidt-Leukel bei den „Salzburger Hochschulwochen“ gefordert hat, hat MWI Präsident Pater Dr. Hermann Schalück ofm als irrig und auf einen falschverstandenen Missionsbegriff beruhend zurückgewiesen. In einer Stellungnahme unterstreicht Schalück dagegen die Unverzichtbarkeit des Beitrages der Missionsarbeit für den Dialog der Religionen, der Konflikte überwinden hilft und sich nachhaltig für das Leben aller Menschen in Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. 

"Die Zeiten, in der Mission noch gleichbedeutend mit religiöser Intoleranz war, sind zum Glück lange vorbei. Heute bedeutet Mission vielmehr Teilhabe am Dialog der Religionen, in der nach wie vor die Weitergabe des Evangeliums von Jesus Christus als eine gute Nachricht für die Welt und für die ganze Schöpfung verstanden wird. Wie dies heute, in einer pluralen, postkolonialen und zunehmend sich globalisierenden Welt geschehen kann, hat das Zweite Vatikanische Konzil deutlich gemacht: „Mission“ als Sendung gehört zum Wesen der Kirche und hat als die eine Kirche Jesu Christi als ganze und für alle Zeiten von ihrem Wesen her missionarisch, eben in dieser komplizierten Welt auch dialogfähig, dynamisch, kommunikativ zu sein. Nach wie vor soll das Evangelium auch allen Völkern und Kulturen angeboten werden. Dies hat aber in einer durchaus neuen Weise zu geschehen. Mission heute zielt auf das „ganzheitliche Heil“. Dieses umfasst nicht nur das „Seelenheil“, sondern den ganzen Menschen, seine Würde, seine Rechte, seine Umwelt, seine bedrohte Zukunft.

Die Mission, der auch das MWI verpflichtet ist, besteht darin, mit Profil und dennoch dialogisch von Gott zu sprechen, der Leben und Zukunft und Menschenwürde verheißt; von Jesus Christus, der in seiner „Mission“ von diesem Gott sichtbares Zeugnis gegeben hat; Gemeinden und lokale Kirchen zu bauen und zu stützen, die im Geiste Jesu selber Sauerteig, Salz der Erde, Orte befreiten und befreienden Glaubens und darin Ferment sich ständiger Erneuerung und Heilung sein werden. Und eben nicht nur für die Getauften innerhalb der Kirche, sondern für die Gesellschaft und die bedrohte Schöpfung.

Mission ist Dialog, keine Einbahnstrasse. Sie ist Geben und Nehmen. Wahrer Dialog beginnt ja eigentlich mit Schweigen und Hinhören auf den anderen, die andere. Dialog ist ein Geschehen, das von Anfang an den anderen und die Wirklichkeit um ihn herum wahrnimmt und mit ihr in Beziehung tritt. Der Mensch, der den Dialog sucht, bestimmt sich und sein Tun von Anfang an von der Wahrnehmung her, dass er immer auch Lernender ist. Ein Dialogpartner wird selber um so nachhaltiger „zu Wort kommen“, je aufmerksamer und respektvoller die anderen am Dialog Beteiligten wahrgenommen werden. Und die zukunftsfähigen Werte, um die es der Mission und den christlichen Kirchen geht, lassen sich niemals durch „Leistungen“ eines einzelnen Subjektes erreichen. Sie sind vielmehr die „Früchte“ dieses Dialoges, Ziele eines gemeinsamen Weges, Endpunkte auf dem Weg gemeinsamer Verantwortung für das Leben und für die Schöpfung. Mission heißt deshalb: Dem anderen "dialogisch" begegnen, ihn achten, neben der eigenen Würde auch die eigenen Grenzen anerkennen, sich vom Du bereichern zu lassen, gemeinsam Sinn und Werte zu schaffen, die allen und der gesamten Schöpfung und vor allem dem Frieden der Völker zugute kommen.“

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