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Die Forschungstätigkeit des MWI
Neben verschiedenen Forschungsbereichen kommt drei Schwerpunkten eine besondere Bedeutung zu...
You will find
  • Religion und Gewalt
  • Theologisch-philosophische Lehre und Kontextualität
  • Religiöse Mehrsprachigkeit und Dialog
  • Religion und Gewalt


    In letzter Zeit ist in verschiedenen Teilen der Welt eine signifikante Zunahme von Gewalt und gewalttätigen Auseinandersetzungen und Konflikten festzustellen, die direkt oder indirekt mit reli­giösen Überzeugungen und Praktiken zu tun haben oder mit solchen in Verbindung gebracht wer­den. Dies ist insbesondere in Asien und Afrika, aber auch in Europa zu beobachten. Als Beispiele seien Indonesien, Malaysia, Indien, Pakistan, Ägypten, Sudan, Uganda, Ruanda, Eritrea, Nigeria, Kosovo, GUS-Staaten und Nordirland erwähnt. Auch Religionen, die prinzipiell nicht missionarisch und der Gewaltlosigkeit verpflichtet sind (Hinduismus, Buddhismus), spielen vermehrt eine Rolle in gewalttätigen Auseinandersetzungen.

     Auch die jüngsten Ereignisse in den USA und der Krieg gegen den Terrorismus werden immer mehr mit religiösen Gefühlen und Fundamentalismus in Verbindung gebracht. Kann der interreligiöse Dialog ein Instrument des Friedens und der Ver­söhnung sein? Gibt es Gewalt, die genuin religiös motiviert und theologisch legitimiert ist? Wie geht die katholische Kirche mit Macht- und Gewaltstrukturen in ihren eigenen Reihen um (Gender-Frage; Ökologie; Disziplinierung der Mitglieder)? Wird Religion zunehmend politisch instrumentali­siert? Ist Multireligiosität in einer globalisierten Welt ein Konfliktpotential? Wie kann das Friedens­potential von Religion und Glauben freigesetzt werden?

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    Theologisch-philosophische Lehre und Kontextualität


    Das Lippenbekenntnis zur ‚Inkulturation‘ von Theologie und Philosophie hat sich bis jetzt noch nicht wirklich in der Tradierung theologischer und philosophischer Lehrinhalte an den Ausbil­dungsstätten in aller Welt niedergeschlagen. Die Studienpläne an den Seminaren und theologi­schen Fakultäten im Süden spiegeln noch immer eine vermeintlich ‚universelle‘ Theologie und Philosophie, die aber in Wirklichkeit monokulturell (eurozentrisch-römisch) verfasst ist. 
     

    Ausgehend von den vom MWI durchgeführten Weltumfragen zur Situation der Theologie und Philosophie am Ende des 20. Jahrhunderts bleibt die Aufgabe einer tiefgreifenden Kontextualisierung der Lehre dieser Wissenschaften beste­hen. Wie euro- und hellenozentrisch ist die in außer-europäischen Kontexten gelehrte Theologie und Philosophie? Überwinden sie eine androzentrische Sichtweise oder thematisieren sie eine solche zumindest? Welche Rolle spielt die konkrete (kulturelle, sozio-politische) Erfahrung für die Lehrin­halte? Sind die Methoden den jeweiligen Kontexten angepasst? Hat die akademisch gelehrte Theologie und Philosophie gesellschaftliche Relevanz? Welche Rolle spielt Macht in der Festle­gung von Lehrplänen?   

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    Religiöse Mehrsprachigkeit und Dialog


    Durch die weltweiten Migrationströme beginnen sich die Grenzen etablierter und wohldefi­nierter Religionen aufzuweichen und zum Teil zu verwischen. Nicht nur in jenen Kontexten, wo eine fremde Religion eine einheimische überlagert (indigene Traditionen Lateinamerikas, Afrikas und Ozeaniens), sondern auch in früher relativ homogenen religiösen Gebieten (Teile Asiens, Nordamerika, Europa) wird nicht nur Multikulturalität, sondern auch religiöser ‚Synkretismus‘ im­mer mehr zu einem Phänomen, dem sich die Theologie und Religionsphilosophie bisher kaum gewidmet haben. 
     

    Oft ist innerhalb derselben religiösen Tradition eine ‚Mehrsprachigkeit‘ festzu­stellen; einer dogmatisch verfassten Lehre und Praxis stehen vielfältige religiöse Manifestationen der Volkskultur gegenüber, die noch nicht genügend theologisches Interesse gefunden haben. Religionen sind in einem Veränderungs- und Transformationsprozess begriffen und durchdringen sich in den konkreten Kontexten gegenseitig (Synkretisierung); die etablierten (dominanten) Theologien gehen aber noch oft von ‚reinen‘ Kategorien aus, die Phänomenen wie den ‚Independent African Churches‘, den charismatischen Bewegungen, den afroamerikanischen und indigenen Ausdrucksformen von Religiosität nicht gerecht werden.   

    Ist religiöse Mehrsprachigkeit postmodernes Patchwork oder Überwindung des Exklusivismus? Steht das Christentum auf der Schwelle zu einer post-dogmati­schen Ära? Gibt es eine multireligiöse Identität? Welchen Stellenwert haben Kulturen und Religio­nen des Volkes in den kontextuellen Theologien des Südens? Gibt es einen Dialog zwischen den Mainstream Churches und peripheren religiösen und theologischen Ausdrucksformen?   

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