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International Seminar "Communities and Ministries", Torhout (Belgien), 30. Mai bis 3. Juni 2005
"Eine andere Kirche ist möglich" (Internationales Seminar in Torhout über "Gemeinden und Dienstämter")

So lautete das Fazit am Ende des internationalen Seminars in Torhout, Belgien, bei dem vom 30.5. bis 3.6.2005 Bischöfe und Theologinnen und Theologen aus allen Teilen der Welt versammelt waren, um über „Gemeinden und Dienstämter“ nachzudenken. Dank Fritz Lobinger, Altbischof von Aliwal, Südafrika, und seinem „Plädoyer für gemeindliche Presbyterien“ („Leutepriester“) ging es konkret um die Frage, welche Konsequenzen es für die Kirche haben müsste, dass sich immer mehr Gemeinden, in denen sich Christinnen und Christen zur gegenseitigen Stärkung im Verständnis der Bibel, im Gebet und im sozialen Engagement zusammenfinden, nur noch selten mit einem Priester versammeln. Organisiert vom Missionswissenschaftlichen Institut Missio in Aachen und dem Internationalen Institut Lumen Vitae in Brüssel bot das Seminar in Torhout Bischöfen und Theologen – und Theologinnen – die Möglichkeit, ausgehend von den je verschiedenen Herausforderungen für christliche Gemeinden ihre Antworten auf diese Herausforderungen auszutauschen und zu reflektieren, um dann gemeinsame Fragen und Vorschläge zu vertiefen und praktischen Konsequenzen näher zu kommen. 

11 Bischöfe und 15 Theologinnen und Theologen folgten der Einladung. Zusammen mit den Gastgebern in Belgien und Deutschland waren 22 Ortskirchen in Südkorea, Indonesien, den Philippinen, Indien, Uganda, Tansania, Südafrika, der Demokratischen Republik Kongo, Frankreich, Deutschland, Belgien, Brasilien, Mexiko und Kanada vertreten. Kirchen im Norden und Süden der Welt. Kirchen der kolonialisierten und der Kolonialvölker. Kirchen, die ihr Alter in Jahrhunderten oder Jahrtausenden angeben und Kirchen, von deren Anfängen die Ältesten noch selber erzählen können. Wenige Kirchen, die miteinander ein wenig vertraut sind, und viele Kirchen ohne Kenntnis voneinander. Kirchen mit den unterschiedlichsten wechselseitigen Phantasien und Sensibilitäten.   

Allen Kirchen gemeinsam war der Wunsch, in ihrer jeweiligen Eigenart Gehör und Anerkennung zu erfahren. Die Vielfalt der vertretenen Ortskirchen wurde bei diesem internationalen Seminar zur wichtigsten Quelle theologischen und kirchlichen Lernens. Objektive kulturelle Unterschiede waren durchkreuzt von subjektiven Erwartungen und Vorurteilen, aber auch von der gemeinsamen Idee, voneinander lernen zu können. Der hierarchische Unterschied zwischen Bischöfen und Theologinnen und Theologen war gebrochen durch Unterschiede in den Sprachen, Kulturen und Mentalitäten, aber auch durch die gemeinsame Bereitschaft, furchtlos Fragen und Schwierigkeiten auf den Grund zu gehen. Der methodologische Unterschied zwischen Teilnehmenden, die auf die Klärung theologischer Konzepte drängten, und den anderen, die den Akzent auf das Besondere ihrer konkreten kirchlichen Wirklichkeit legten, wurde durchkreuzt von den verschiedenen theologischen Traditionen, aber auch von der gemeinsamen Suche nach einer Sprache, in der das Neue der Erfahrungen Ausdruck finden kann und in der dogmatische Begriffe wie „Amt“, „Gemeinde“ und „Eucharistie“ neu erforscht werden können.   

Impuls für die Suche nach Wegen, um dem Leben der Menschen in ihren jeweiligen konkreten Situationen besser zu dienen, war die in allen Kirchen gegenwärtige Erfahrung der zahlreichen katholischen Gemeinden, die auf die Präsenz eines Priesters und damit auf die Feier der Eucharistie weitgehend verzichten müssen. In der Suche nach einer Antwort auf die mit dieser Erfahrung verbundenen Fragen unterschieden sich die Teilnehmenden noch einmal. Den einen ging es darum, die Bedingungen des Zugangs zum Priesteramt zu diskutieren und dabei Lobingers Vorschlag der „Leutepriester“ theologisches und kirchliches Gewicht zu verleihen. Den anderen ging es um die theologische und kirchliche Anerkennung der eucharistischen Wirklichkeit des Lebens vieler christlicher Gemeinden und Gemeinschaften, die „Eucharistie“ auch in anderen Formen und Diensten als in der mit einem Priester zelebrierten Eucharistiefeier leben, nämlich in Gesten, für die symbolisch die im vierten Evangelium an der Stelle des Abendmahls berichtete Fußwaschung steht. Dieser Unterschied im Engagement für eine Antwort auf die Erfahrungen der Gemeinden vor Ort wurde durchkreuzt von zentralen Fragen zu „Gemeinde“, zu „Eucharistie“ und zu „Amt und Ämter“, aber auch vom gemeinsamen Engagement für das Gespräch und für einen guten Streit.    

Nach diesem internationalen Seminar – so die übereinstimmende Meinung am Ende – wird es mehr denn je darum gehen, herauszufinden, was der Geist heute den Gemeinden in eben jenen Situationen sagt, mit denen sie zu kämpfen haben. Ohne fertige Antworten auf die Probleme zu haben, halten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Veränderungen für unabdingbar und setzen sich dafür ein, diese auf den Weg zu bringen. Das geht ihrer Meinung nach nur in einer breit angelegten und offenen Debatte. Sie werden daher versuchen, die bei ihrem Seminar gewonnenen Analysen und Reflexionen per Internet bekannt zu machen. Sie werden in ihren eigenen Kontexten entsprechende Diskussionen, Untersuchungen und Veröffentlichungen fördern und austauschen, um weitere internationale Seminare auf kontinentaler und interkontinentaler Ebene vorzubereiten. Der Raum für die anstehende theologische Arbeit ist abgesteckt. Die Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Ortskirchen möchten in ihrem Dialog weitergehen, um gemeinsam zu einer Kirche zu werden, die als Zeichen für die Freundschaft Gottes mit der Menschheit erkennbar ist, weil alle Glieder auf der Grundlage ihrer Taufe und Firmung Verantwortung übernehmen. Auf dem Weg dahin trägt die Erfahrung des Seminars von Torhout: „Eine andere Kirche ist möglich.“   

Hadwig Müller, MWI Missio Aachen

 

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