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Schwerpunkte und Forschungsprojekte
2007

Im Jahr 2007 fanden zwei wichtige internationale theologische Symposien jeweils unter Mitwirkung des Afrikareferats des Missionswissenschaftlichen Instituts statt. Die erste kommemorierte die Veröffentlichung „Des prêtres noirs s’interrogent“  (Présence Africaine Paris 1956) vor fünfzig Jahren. Unter Federführung der theologischen Fakultät der Université Catholique de l’Afrique de l’Ouest (UCAO) in Abidjan luden die drei frankophonen theologischen Fakultäten (von Abidjan, Kinshasa und Yaoundé) ca. 50 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vom 12. bis 17. Februar nach Abidjan ein, um sich über eine Bilanz und mögliche Perspektiven von 50 Jahren afrikanischer Theologie auszutauschen. Das Oberthema lautete: "Évangélisatioin, théologie et salut en Afrique"Das Treffen, das zu einer Begegnung der verschiedenen Generationen afrikanischer Theologinnen und Theologen wurde, machte deutlich, daß die Afrikanische Theologie angesichts der Transformationsprozesse in den afrikanischen Ländern ein Relevanzdefizit hat und vor der großen Herausforderung einer gerechteren Gestaltung der afrikanischen Gesellschaften steht. 

„Die Theologie und die Gesellschaften“ war dann auch der Titel des zweiten internationalen Symposiums: Die 25. Theologische Woche von Kinshasa (22.-27. April 2007)) markierte das 50jährige Jubiläum der theologischen Fakultät von Kinshasa. Ich hatte dort die Gelegenheit, meine Forschungsergebnisse über die „Pastorale Erneuerung in Kinshasa unter Kardinal Malula“ vorzustellen. Gerade in der Situation der Demokratischen Republik Kongo hat sich die Kirche mit zahlreichen Programmen der „Éducation civique“ auf den Weg einer Mitgestaltung der gesellschaftlichen Transformationsprozesse gemacht. Die Theologie ist aufgerufen, diesen Weg kritisch zu begleiten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Afrikareferates lag in der konzeptuellen Erarbeitung bzw. Mitarbeit an zwei Forschungsprojekten. In Zusammenarbeit mit dem Generalsekretariat der ostafrikanischen Bischofskonferenzen (AMECEA) wurde ein Forschungsprojekt zum Thema „Caring and sharing. How does HIV/ADIS affect the way of being Church in Eastern Africa?“ erarbeitet. Dabei geht es darum, anhand von Länderstudien und transversalen Aufgabenstellungen die bisherigen Bemühungen der AMECEA-Ortskirchen zu evaluieren sowie die Bedeutung der Pandemie AIDS für die kirchliche Praxis und für die theologische Reflexion und Ausbildung herauszuarbeiten. Die Forschungsaufträge sind erteilt, im April 2008 wird eine Fachtagung die Fragestellungen erörtern. Angezielt ist eine Veröffentlichung und Handreichung für die AMECEA-Bischöfe.

In Zusammenarbeit mit Frau Dr. Hadwig Müller und den Kooperations­partnern Proff. Feiter (Münster) und Mette (Dortmund) wurde 2007 ein weiteres Forschungsprojekt zum Thema Gemeindeentwicklung ("Plurale Wirklichkeit Gemeinde") konkretisiert. Dabei wurden anhand von ersten Gruppeninterviews und Berichtbögen die Gestaltungspotentiale ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedenen Gemeinden erhoben. Das methodische Vorgehen wurde in einer ersten Auswertung präzisiert, die die Forschungshypothese erlaubt, daß ohne dirigistische Eingriffe in das Gemeindeleben vielerorts lebendige Glaubensgemeinschaften ihren Glauben leben und mit der umliegenden Gesellschaft in fruchtbaren Austausch treten können. Für das Jahr 2008 ist eine Ausweitung der in den Blick zu nehmenden Gemeinden geplant.

Die Teilnahme an den beiden internationalen Symposien, die auch mit finanzieller Hilfe von missio und dem Missionswissenschaftlichen Institut zustande kamen, hat die Kooperation mit der UCAO in Abidjan und den Facultés Catholiques de Kinshasa(F.C.K.) in Kinshasa vertieft. Mit beiden Institutionen sind Folgeprojekte in Planung. In Abidjan soll ein „Centre de recherche interculturelle“ entstehen. In Kinshasa wird im April 2008 unter Mitwirkung des MWI-Afrikareferates ein Symposium zum Thema „Les Communautés ecclésiales vivantes de base et l’éducation civique“stattfinden. Auf der Dienstreise nach Nairobi zur Erarbeitung des HIV/AIDS-Forschungsprojektes konnte die Zusammenarbeit mit der Catholic University of Eastern Africa (CUEA) verstärkt werden.

Weitere Kooperationspartner sind die KUL Leuven, wo ich die Co-Betreuung einer theologischen Doktorarbeit übernommen habe, und das Institut Lumen Vitae in Brüssel, wo ich im Jahr 2008 eine Lehrveranstaltung zum Thema „Basisgemeinschaften in Afrika“ übernommen habe.

Februar 2007

Dr. Marco Moerschbacher

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