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14.07.2005 Letzte Ausgabe von chakana - Editorial 3-2005-6
Gesichter des Islam

Wider Erwarten zeigen der 11. September 2001 und die nachfolgenden Ent­wicklungen zu Beginn des neuen Millenniums, dass eine neue Konfliktform nach wie vor das friedliche Zusammenleben der Menschen gefährdet. Ein neues stereotypes Feindbild entsteht im Westen: der Islam als Gefahr für die westli­chen "freien und demokratischen" Gesellschaften.   

chakana setzt sich zum Ziel, eine theologische und philosophische Brücke zwischen den verschie­denen Kul­turen zu sein und zu einer interkulturellen Konvivenz beizutragen. Diese letzte Ausgabe von chakana lädt die Leserinnen und Leser ein, die Stimmen des Islam direkt zu hören. Die Focus-Beiträge ver­mitteln ein anderes Gesicht des Islam als gewohnt. Be­wusst wurde darauf ver­zichtet, einen systematischen Überblick über die Viel­falt der islamischen Kultur zu geben. Stattdessen hat die Redaktion exempla­risch drei Beiträge von musli­mischen Philosophen bzw. Wissenschaft­lern auf­gegriffen, die jeweils ein im interkulturellen Zusammenhang interessan­tes Thema behandeln.

Abou Yaareb Marzouki, gebürtiger Tunesier, diskutiert das komplizierte Verhält­nis zwischen kulturellem Erbe und Fortschritt im heutigen Islam. Selbst­kritisch beleuchtet er die Gründe, warum der Islam die Fähigkeit zur kontinuier­lichen Reform verloren hat und begründet den Ausweg in einem kreativen Rückgriff auf klas­sische Denker des Islam. Nur Kirabaev aus Kasachstan zeigt das im Islam histo­risch entwickelte Potential für Dialog und Interaktion mit an­deren Zivilisationen auf. Der Artikel von Mustapha Ben Taïbiaus Frankreich zeichnet sich durch eine kon­sequente Anwendung der hermeneutischen Methode der Textkritik auf die In­terpretation des Koran aus. Der vierte Beitrag behandelt das Thema aus christlicher Sicht. Frederic Ntedika Mvumbi aus Kenia be­schreibt die heu­tige Situation des Is­lam in ver­schiedenen Regionen Afrikas und diskutiert die Bedingun­gen für einen islamisch-christlichen Dialog. Es wäre zu wünschen, dass diese Beiträge dem stereotypen Feindbild entge­genzuwirken helfen. 

 

Choe, Hyondok

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