Wider Erwarten zeigen der 11. September 2001 und die nachfolgenden Entwicklungen zu Beginn des neuen Millenniums, dass eine neue Konfliktform nach wie vor das friedliche Zusammenleben der Menschen gefährdet. Ein neues stereotypes Feindbild entsteht im Westen: der Islam als Gefahr für die westlichen "freien und demokratischen" Gesellschaften. chakana setzt sich zum Ziel, eine theologische und philosophische Brücke zwischen den verschiedenen Kulturen zu sein und zu einer interkulturellen Konvivenz beizutragen. Diese letzte Ausgabe von chakana lädt die Leserinnen und Leser ein, die Stimmen des Islam direkt zu hören. Die Focus-Beiträge vermitteln ein anderes Gesicht des Islam als gewohnt. Bewusst wurde darauf verzichtet, einen systematischen Überblick über die Vielfalt der islamischen Kultur zu geben. Stattdessen hat die Redaktion exemplarisch drei Beiträge von muslimischen Philosophen bzw. Wissenschaftlern aufgegriffen, die jeweils ein im interkulturellen Zusammenhang interessantes Thema behandeln. Abou Yaareb Marzouki, gebürtiger Tunesier, diskutiert das komplizierte Verhältnis zwischen kulturellem Erbe und Fortschritt im heutigen Islam. Selbstkritisch beleuchtet er die Gründe, warum der Islam die Fähigkeit zur kontinuierlichen Reform verloren hat und begründet den Ausweg in einem kreativen Rückgriff auf klassische Denker des Islam. Nur Kirabaev aus Kasachstan zeigt das im Islam historisch entwickelte Potential für Dialog und Interaktion mit anderen Zivilisationen auf. Der Artikel von Mustapha Ben Taïbiaus Frankreich zeichnet sich durch eine konsequente Anwendung der hermeneutischen Methode der Textkritik auf die Interpretation des Koran aus. Der vierte Beitrag behandelt das Thema aus christlicher Sicht. Frederic Ntedika Mvumbi aus Kenia beschreibt die heutige Situation des Islam in verschiedenen Regionen Afrikas und diskutiert die Bedingungen für einen islamisch-christlichen Dialog. Es wäre zu wünschen, dass diese Beiträge dem stereotypen Feindbild entgegenzuwirken helfen. Choe, Hyondok |